240 Litter aturbericht. hängen bleibt. Mit Jerusalem wünsche ich freilich noch den Aushau der „Du“psychologie (auf AvENARiusscher Grundlage); psychiatrisch ist unter And. dazu bisher unbeachtet, dafs manche Paranoiker ein „Er“, aber nicht ein „Du“ der Aufsenwelt kennen, und nicht blofs infolge von Ver¬ folgungswahn. Im Genüsse liegt Selbstthätigkeit des „Ich“, das reaktiv, aber nicht mechanisch psychische Energie z. B. im K. unbekannten „Ver¬ trauen“ äufsert. Im Genufs ist der Kern der Beligion, die freilich oft zum „Erkenntnismäfsigen“ (so K.), Ästhetischen (so der moderne Pantheist), verschoben wird. Dies Beides ist Voraus- und Fortsetzung der Beligion, aber nicht diese selbst, die Furcht und Glaube in genufs-werturteils- mäfsiger Prägung bleibt. b. Nimmt K. die Werturteilstheorie zu einfach (Meinongs Arbeiten, die ich früher nur zitieren konnte, sind unbeachtet), so weifs er in Metaphysikangst meinen „Glauben“ nur als besonderes „Organ“ zu verdächtigen. Vorbrodt (Alt-J essnitz). Koch. Die überwertigen Ideen. Centralbl. f. NervenheilMe. u. Psychiatr. VII. Bd. S. 177—182. 1896. Die Ablehnung, die der WERNicKESchen Lehre von den „überwertigen Ideen“ von seiten fast aller Psychiater zu Teil geworden ist, hält Koch für nicht berechtigt. Er nimmt überwertige Ideen im Sinne Wernickes an, wirft diesem aber den Fehler vor, Wahnideen und Zwangsvorstellungen nicht genügend auseinander gehalten, und übersehen zu haben, dafs die überwertigen Ideen sich auf einem bereits vorbereiteten geschädigten Boden entwickeln. Nähere Betrachtung läfst bei einer „fixen“ über¬ wertigen Idee immer die andauernde, sei es angeborene, sei es erworbene Minderwertigkeit oder den psychotischen Schwächezustand erkennen, der das Auftreten der überwertigen Idee veranlafst oder wenigstens ermöglicht hat. Peretti (Grafenberg). K. Kölle. Der Sprechunterricht bei geistig zurückgebliebenen Kindern. Zürich, Albert Müller. 1896. 44 S. Verfasser bezeichnet alle Versuche als verfehlt, bei sprachlosen Idioten die Methoden des Taubstummenunterrichtes oder der Sprach¬ heilkunde in Anwendung zu bringen und begründet einen Lehrgang, welcher vorwiegend dem Grundsatz der Begriffsentwickelung Bechnung trägt. Theodor Heller (Wien). Cadiot. Sur les affections mentales chez les animaux. Bev. de T Hypnotisme. Bd. 10. No. 12. S. 363-367. 1896. Die Geisteskrankheiten der Tiere, wenigstens der intelligenteren Haustiere, zeigen grofse Ähnlichkeit mit denen der Menschen. Man beobachtet sexuelle Perversität, Angstzustände, Agoraphobie und damit verwandte Psychosen. Verfasser bringt hierfür einige instruktive Bei¬ spiele von Beobachtungen an Katzen, Hunden und einem Papagei, die teils eigener Erfahrung entstammen, teils dem Buche von Pierquin über den „ Wahnsinn der Tiere“ entnommen sind. Schaefer (Bostock).