222 Litteraturbericht. scheinung trete, wenn sich auf der betreifenden Netzhautstelle ein Ob¬ jekt abbildet, das die Aufmerksamkeit bes Individuums erregt. Eine Störung der Beweglichkeit des Auges bat zur Folge, dafs die gewohnte Innervationsgrösse nicht ausreicht, das von der Aufmerksamkeit erfafste Objekt auf der Netzhautmitte zur Abbildung zu bringen. Auf diese Weise erklärt es sich, dafs bei Augenmuskellähmungen vorbei getastet wird. Der dritte Faktor beim Tastversuch ist das tastende Organ, die Hand. Sachs sieht von der Existenz eines aus Tastempfindungen aufgebauten Tast- oder Fühlraumes ab und nimmt an, dafs wir bestrebt sind, der Hand denselben Ort im Gesichtsraume zu geben, welchen das zu tastende Objekt einnimmt. Wir haben die Neigung, das Tasten durch den Ge¬ sichtssinn zu kontrollieren. Die einzelnen Netzhautpunkte resp. deren zentrale Projektion sind in ähnlicherWeise mit dem motorischen Zentrum der oberen Extremität verknüpft, wie mit den Bewegungszentren der Augenmuskeln nach der oben gegebenen Darstellungsweise. In einem Fall von konjugierter Lähmung der Linkswender der Augen mit nor¬ malem Gesichtsfelde, den Sachs beobachtete, wurden rechts gelegene Ob¬ jekte stets rasch und sicher getastet, während bei Gegenständen, welche in die linke Gesichtsfeldhälfte gebracht wurden, nach allen möglichen Richtungen, nicht, wie man hätte erwarten können, nur links vorbei¬ getastet wurde. Sachs nimmt an, dafs es sich in diesem Falle um eine Lähmung der oben angenommenen Assoziationsbahnen auf einer Körper¬ seite gehandelt habe. Groenottw (Breslau). Ernst Mettmann. Beiträge zur Psychologie des Zeitbewufstseins. Dritte Abhandlung. Philos. Stud. XII. 2. S. 127—254. 1896. In der vorliegenden Abhandlung fährt Mettmann fort mit der Ver¬ öffentlichung seiner zahlreichen, in den letzten Jahren angestellten experimentellen Untersuchungen über Zeitschätzung, und zwar beschäftigt er sich diesmal mit den Täuschungen des Zeitbewufstseins, die beim Abschätzen und Vergleichen verschieden ausgefüllter Zeit" strecken auftreten. M. meint, „dafs die Schätzung kleinster durch blofse begrenzende Beize markierter Zeitintervalle als ein besonderer Fall der Zeitschätzung von derjenigen mittlerer und gröfserer Zeitstrecken unterschieden werden müsse.“ Im ersteren Falle (bei Zeiten bis zu etwa 0,5 Sekunden) liegt mehr eine Auffassung der Successionsgeschwindigkeit der Eindrücke selbst, als eine Perzeption der Dauer des zwischen ihnen liegenden Intervalls vor. Es ist bei diesen kleinsten Zeiten die Schätzung stark von sinnlichen Faktoren beeinflufst, in hohem Grade abhängig von der “Art des gewählten Reizes. In den einleitenden Ausführungen beschreibt M. eine Reihe hierhergehöriger Täuschungen, von denen als eine der frappantesten nur erwähnt sei, „dafs indirekt gesehene Funken von grofser Geschwindigkeit der Aufeinanderfolge (0,05—0,3 Sekunden) lang¬ samer zu verlaufen scheinen, wie [soll heifsen: als] direkt gesehene.“ (S. 181.) Der Hauptteil der Arbeit gilt dem Einflufs der Ausfüllung von Zeitstrecken auf die Beurteilung ihrer Dauer. Die diesmal geschilderten