154 Litter aturbericht. behaupten, jedes der Zentren wirke auf das Stimmband der gegenüber¬ liegenden Seite, die anderen (Krause, Semon und Horsley, Broeckart) sagen, jede Hemisphäre wirke gleichzeitig auf beide Stimmbänder, so dafs die Beizung eines Zentrums die Zusammenziehung beider Stimm¬ bänder und die Exstirpation eines Zentrums, vermittelst der Kom¬ pensation durch das andere, keine Störung der Larynxbewegung zur Folge habe. — Daran reiht sich die Frage, warum die Larynx- lähmung vom Gehirn aus so selten vorkommt, während die Kranken mit Hemiplegie und motorischer Aphasie die Krankenhäuser überfüllen. Sollte man doch meinen, dafs, da die Larynxzentren dem BaocAschen an Gröfse nichts nachgeben, überdies von denselben Arterien versorgt werden und aufserdem auf beiden Seiten vorhanden sind — die Läsion derselben doppelt so häufig wie die des gesprochenen Wortes und wenigstens ebenso häufig wie die gewöhnliche Hemiplegie der Ex¬ tremitäten Vorkommen müsse. Semon und Horsley erklären sich die Sache so. Zufolge der beidseitigen Innervation ist eine einseitige Läh¬ mung der Stimmbänder nicht möglich und eine beiderseitige nur dann, wenn auf jeder der beiden Hemisphären symmetrische Läsion sich vor¬ finde. Dagegen sprechen zwei Fälle (von Garel und Dejerine), in denen die Autopsie bei Larynxlähmung nur eine Läsion ergab. Daraufhin erklärt Bauge mit Masini, die kortikalen Kehlkopfs¬ lähmungen seien gar nicht so selten, man fände sie nur nicht heraus. Um klar darüber zu werden, wählte P. Marie aus seinem Material von Hemiplegischen eine Zahl solcher aus, bei denen man eine Larynx- störung vermuten konnte, und stellte sie dem Verf. zur Verfügung. Derselbe untersuchte 23 Männer, von denen elf rechtsseitig, elf links¬ seitig und einer auf beiden Seiten gelähmt war. Unter den 23 Fällen be¬ fanden sich 8 mal Kontrakturen, 15 mal Dysarthrien verschiedenen Grades, 5 mal Schlingbeschwerden, 8 mal Deviation der Lippen oder der Zunge, 5 mal Lähmungen des Gaumensegels, 13 mal geringer oder fehlender Pharynxreflex. Die Zeitdauer des Leidens betrug 1 bis 18 Jahre. Bei 19 dieser Kranken fand Verf. keine Bewegungs¬ störung der Stimmbänder, nur bei vier entfernte sich das rechte Stimmband beim Atmen (Inspiration) wenig von der Mittellinie, während das linke Stimmband sich normal verhielt, so dafs die Stimmritze nach links abwich, beim Intonieren bewegt es sich nach der Mittellinie hin und etwas darüber hinaus (et empiétait un peu sur l’autre côté), so dass die Abweichung nach links blieb. Drei dieser Kranken litten an rechtsseitiger Hemiplegie, einer an links¬ seitiger, bei allen vier waren Kontrakturen und Dysarthrie zugegen. Die Erscheinungen konnten von Parese der Abduktion oder von zu grofser Erregbarkeit der Adduktoren herrühren und auf cerebraler, bulbärer oder peripherischer Läsion beruhen, bei dem Kranken mit linksseitiger Lähmung wahrscheinlich auf bulbärer, weil bei ihm aufser der Sprach- und Schlingstörung und dem verminderten Pharynxreflex eine rechts¬ seitige Facialislähmung bestand. Um ein sicheres Urteil zu gewinnen, mufs man die Autopsie abwarten.