Literaturbericht. 281 Wegweiser dienen, erscheinen für den gänzlichen Mangel psychischer Vor¬ gänge noch nicht absolut beweisend. Auch die Capitel „Besitzen die Ameisen Mittheilungs vermögen ?" „Weisen andere Verrichtungen der Ameisen auf den Besitz psychischer Qualitäten hin?“ und „Existiren andere That- sachen, welche uns zwingen, den Bienen psychische Qualitäten zuzu¬ schreiben ?" dürften den vorurtheilsfreien Leser nicht unwiderstehlich über¬ zeugen, dafs wirklich alle und jede Psyche den Ameisen und Bienen ab¬ geht. Die Beweisführung beschränkt sich zu sehr auf herausgegriffene Einzelheiten und geht auf Wichtiges nicht immer tief genug ein, was aller¬ dings bei der relativen Kürze der Abhandlung auch kaum möglich war. Ein sehr interessantes Resultat ergeben dem Verf. die mühsamen Ver¬ suche betreffs der Frage, wie die Bienen nach Hause finden. Weder ein Orientirung8vermögen, noch Erinnerungsbilder, noch optische, akustische oder magnetische Einflüsse ermöglichen es den Bienen, den Stock wieder zu finden. Ein von diesem ausgehender Neststoff, also Riechstoff ist nicht ganz unbetheiligt, aber nichts weniger als ausschlaggebend. Eine „ganz un¬ bekannte Kraft" führt die Bienen aus einer Entfernung von mehreren Kilometern zu ihrer Behausung zurück oder vielmehr zu der Stelle, wo sie abgeflogen sind, denn bringt man das Flugloch während des Schwärmens an einen anderen Platz, so versammeln sich alle Bienen gleichsam rathlos an dem früheren Standort desselben. — Im Schlufswort giebt B. seine Ueberzeugung kund, dafs die ersten Anfänge psychischen Lebens in der Wirbelthierreihe zu suchen wären. Schaefer (Rostock). H. Ewald Hering. Das Hebepbiiomen beim Frosch and seine Erklärung durch den Ausfall der reflectorischen antagonistischen Maskelspannung. Pflcger’s Archiv für die ges. Physiologie Bd. 68, S. 1—31. 1897. Als Hebephänomen hatte H. in einer früheren Arbeit die von ihm ge¬ fundene Thatsaehe bezeichnet, dafs Frösche nach Durchschneidung der hinteren Wurzeln beim Niedersprung die Hinterbeine über das normale Maafs hinaus beugen und in die Höhe schleudern. Die Erklärung suchte er in dem Wegfall einer centipetalen Hemmung. In der uns vorliegenden Arbeit analysirt er das atactische Hebephänomen beim Frosch weiter. Es stellte sich heraus, dafs dasselbe ebenso nach Durchschneidung der ge¬ mischten Nerven oder der Sehnen des Muskels, wie nach Durchschneidung der hinteren Wurzeln der Hinterbeine zu erzielen ist. In allen 3 Fällen handelt es sich dabei um Herabsetzung der Muskelspannung der anta¬ gonistischen Muskeln. H. entwickelt sodann weiter seine Ansicht dahin, dafs wenn bei einer durch die Thätigkeit der Agonisten herbeigeführten (von äufseren Widerständen unbehinderten) Bewegung einer Extremität, die antagonistisch auf jene Bewegung wirkenden Muskeln gedehnt werden, die Spannung derselben reflectorisch verstärkt und so der Ablauf der Be¬ wegung regulirt wird. Der Wegfall dieser reflectorischen Spannung der Antagonisten in Folge Functionsunfähigkeit der centripetalen Nerven der Muskeln bewirkt die bei tabes zur Erscheinung kommende cntripetale Ataxie. A. Pilzecker (Göttingen).