Literaturbericht. H. Gützmann. Die praktische Anwendung der Sprachphysiologie beim ersten Leseunterricht. 52 S. und eine Tafel. Berlin, Iteuther und Beichard. 1897. Mk. 1,50. Sammlung von Abhandlungen aus dem Gebiete der päda¬ gogischen Psychologie, hsg. y. H. Schiller u. Th. Ziehen 2. Heft. Yerf. giebt eine historische Einleitung, welche die früheren Versuche skizzirt und kritisch beleuchtet, dahin gehend die Sprachphysiologie beim ersten Leseunterricht zu verwenden (bes. Bonet, Graser, Krug), lässt auch Gegner zum Worte kommen und versucht den „sprachphysiologischen Lese¬ unterricht“ psychologish zu begründen. Gutzmann will auch das Perzeptions¬ centrum für die beim Sprechen und Lesen sichtbaren Bewegungen sowie die Centra für die Konstatirung und Wahrnehmung der Sprachbewegungen beim ersten Sprach- und Leseunterricht möglichst ausgebildet und geübt haben ; die Erfahrung hat ihn gelehrt, dass selbst mit sechsjährigen normalen Kindern die Entwickelung der Sprachbewegungsvorstellungen erfolgreich vorgenom¬ men werden könne. Yerf. giebt Beispiele für das methodische Vorgehen, verhehlt sich aber auch nicht die Schwierigkeiten der Durchführung in starken Schulklassen. Autor verspricht sich von einer gehörigen Anwendung der Sprach¬ physiologie beim ersten Leseunterricht die Unterdrückung und Verhütung- von Sprachstörungen; statistisch erwiesen ist die beträchtliche Zunahme der Zahl stotternder Kinder in der Schule selbst : Der sachkundige Lehrer wird die Kinder, welche Anlage zu einem Sprachfehler haben (meist Knaben) beim Lesenlernen so behandeln, dass das Uebel gar nicht zur Entwickelung gelangt. Yerf. bespricht unter Anführung verschiedener Autoritäten, welche sich mit einschlägigen Fragen befasst haben, weiter die Nothwendigkeit der Benutzung sprachphysiologischer Grundsätze beim ersten Leseunterricht und führt Einiges aus seines Vaters Albert G. „Gesundheitsregeln der Sprache“ an. — Mittel zur Erweckung spracb- physiologischer Vorstellungen bei Kindern sind besonders das Gehör —- der Lehrer muss die Laute scharf differenziren — und das Gesicht — Sprachthätigkeit des Lehrers, Verwendung von Illustrationen (Köpfen) in der Fibel, wodurch für die Vokale und gewisse Konsonanten die charakteristischen