Litera turberi ch t. 233 bleiben, es ist als regulative Idee unentbehrlich, bei Strafe des Rückfalles in das Unwissenschaftliche, in die oben erwähnte doppelte Unendlichkeit. Wichtiger als die Forderung der illusorischen „historischen Psycho¬ logie“ sind die terminologischen Erörterungen R.’s über die mannigfachen Bedeutungen von „Seele“, „Geist“, „Subjekt“ u. a. Es wird z. B. ein psycho¬ physisches, ein psychologisches und ein erkenntnisstheoretisches Subjekt unterschieden. Doch bleibt es meist bei skizzenhaften Andeutungen, ohne Berücksichtigung verwandter Ansichten anderer Philosophen; es ist zu wünschen und zu hoffen, dass die in Aussicht gestellte zweite Hälfte nähere Ausführungen bringe. P. Bakth (Leipzig). Yrjö Hirn. Förstudier tili en konstfilosofi pä psykologisk grundval. (Vor¬ studien zu einer Kunstphilosophie auf psychologischer Grundlage.) Helsingfors, 1896. 162 S. Selbstanzeige. Verfasser ist seit einigen Jahren beschäftigt mit Vorarbeiten zu einer Philosophie der Kunst, die auf die Psychologie der Gefühle gegründet werden wird. Obengenanntes Buch besteht aus Fragmenten dieses Werkes, die im Frühjahr 1896 als Akademische Dissertation vorläufig mitgetheilt wurden. Im ersten Kapitel: „Die Kunst bei den Thieren“, sucht Verf. nachzu¬ weisen, dass die ästhetischen Charaktere und Prästationen des Männchens nicht als Resultat eines bewussten, kunstverständigen Wählens des Weib¬ chens entwickelt sind. Der Gesang und der Tanz, welche Verf. als unver¬ mittelte Ausdrücke eines übermächtigen Gefühles auffasst, sind aber im eminenten Grade geeignet, den Geschlechtscharakter des Männchens dem Weibchen zu verdeutlichen. Mit Hülfe dieser Aeusserungen, mit seiner stolzen, aufgeschwollenen Haltung und mit der Pracht seines Gefieders drängt sich das Bild des Männchens in die Sinne des, gemäss seinem In¬ stinkte, scheuen und schüchternen Weibchens ein. Die verschiedenen, durch ihre Kleinheit und Glanz faszinirenden Gegenstände, mit welchen die australischen Laubenvögel vor dem Weibchen figuriren, dienen dem¬ selben Zwecke wie die Ocelli des Pfaues und die Troddel einiger Kolibri¬ arten. Der einzige Unterschied ist, dass der eine Vogel auf dem Schwänze trägt was der Andere im Schnabel hält. Dass gleichartige Gegenstände auch beim Schmuck der Menschen verwendet werden, beruht nicht, wie Darwin es glaubt, auf gemeinsamen ästhetischem Geschmack, sondern hat seinen Grund darin, dass Vögel und Menschen durch gleichartige Sinnes¬ eindrücke stimulirt werden. Die Untersuchungen des Verfassers haben in manchen Punkten zu gleichen Resultaten geführt wie die Studien des Prof. Groos. Verf. ent¬ fernt sich von Groos in seiner Auffassung von dem Verhältnisse zwischen Ausdrucksbewegungen und Instinktbewegungen. Während Groos das Singen und Tanzen etc. des Männchens als ein instinktives Bewerbungsmittel auf¬ fasst, glaubt Verf. vielmehr, dass dieses Betragen ursprünglich nur ein Gefühlsausdruck gewesen, welcher Ausdruck aber durch natürliche Aus¬ wahl eine bestimmte, eminent exzitirende Form gewonnen. Leider wurde ihm „Die Spiele der Thiere“ bekannt erst nachdem sein Manuskript schon