Litera turb erich t. 227 grössere individuelle Unterschiede in dem Verfahren hei der Addition, bei der Hebung der Gewichte und bei der Erinnerung an den ersten Eeiz be¬ obachtet. Hierüber geben zugleich Versuche von Moyer (2) und Parrish näheren Aufschluss. Einige Personen stellten sich die Zahlen optisch vor, Andere hatten mehr akustische und taktil-verbale Bilder. Einige hatten Erinnerungsbilder des ersten Reizes während des Intervalls zwischen beiden, Andere reprodu- zirten den ersten Reiz nur, sobald der zweite erfolgte. Die Hebung der zu vergleichenden Gewichte geschah bald so, dass der Arm während des Inter¬ valls in dem Spannungszustande blieb, den er durch die erste Hebung er fahren hatte, bald so, dass er in den schlaffen Anfangszustand zurück kehrte. Die hier kurz mitgetheilten Versuche von Parrish über den Ein fluss dieses Unterschieds ergaben, dass das Urtheil im zweitenEalle wesent¬ lich genauer ist. Diese Analyse des von Münsterberg eingeschlagenen Verfahrens lehrt somit, dass auf solchem Wege über den Einfluss der Aufmerksamkeit gar nichts ausgemacht werden kann. Verf. zeigt dies aueL an den von M. selbst mitgetheilten Versuchszahlen. Sie geht sogar kritisch auf die theoretischen Betrachtungen, die das eigenthümliche Resultat nach Münster- berg’s Ansicht erklären, ein. Da diese wohl von keinem auch nur einiger- maassen urtheilsfähigen Psychologen ernst genommen worden sind, hätte sie sich diese Mühe sparen können. Den Beschluss der wichtigen Arbeit bildet eine Diskussion der Fehlerquellen und Vorsichtsmaassregeln, die bei einer solchen Untersuchung Berücksichtigung verdienen. Wir heben aus diesen Bemerkungen hervor, dass der Experimentator irgend einJKriterium für die stetige Andauer der Ablenkung sich verschaffen müsse, dass gefühls¬ betonte Eindrücke besonders hohen Ablenkungswerth besitzen, dass die individuellen Verfahrungsweisen bei dem Gebrauch der Ablenkungsmittel und bei der Erinnerung an den ersten Reiz beachtet werden müssen. Der Verf. der zweiten Abhandlung ergänzt die erste durch eine spezielle Prüfung verschiedener Ablenkungsmittel. Ein solches muss 1. graduell abstufbar, 2. von stetiger, gleichmässiger Wirkung und 3. be- normalen Subjekten allgemein brauchbar sein. Es wurden untersucht die Addition, das Niederschreiben von Worten einer Sentenz in umgekehrter Ordnung, das Rückwärtsschreiben der Buchstaben eines Wortes, die Ueber- setzung einfacher Sätze in eine fremde Sprache mit gleichzeitigem Schreiben der Worte und Buchstaben in umgekehrter Ordnung, endlich die Erkennung von Gerüchen. Unterscheidung zweier grauer Scheiben oder zweier Schall¬ intensitäten war die Aufgabe ; aus den dabei erhaltenen Prozentzahlen richtiger Urtheile wurde auf die Wirksamkeit des Ablenkungsmittels ge¬ schlossen. Als das beste, das annähernd die oben geforderten Eigenschaften besitzt, erwies sich das zuletzt erwähnte. 30 Fläschchen mit riechenden Substanzen standen zur Verfügung. Ungefähr gleichzeitig mit dem ersten Schalleindruck begann die Versuchsperson an einem zu riechen und hatte den Geruch zu bestimmen resp. die durch ihn angeregten Vorstellungen zu verfolgen, bis das Experiment zu Ende war. Sehr schwächender sofort ern kennbare oder ganz unbekannte Gerüche bewirkten keine gute Ablenkung, Die vollständigste wurde durch bekannte Gerüche, deren Namen nicht 15*