208 Besprechungen. von der Giltigkeit des allgemeinen Kausalgesetzes, nicht mehr der Psycho¬ logie, sondern bereits der Metaphysik zugehört. — Ein Paragraph von gleichmässig psychologischem wie ethischem Interesse, über die Entwicke¬ lung eines sittlichen* Charakters, bringt das Buch zu würdigem Abschluss. Es sind zum Theil schon jenseits der Grenze wissenschaftlicher Strenge stehende Gesinnungselemente, die da bisweilen mitsprechen, und so ist es wohl vorauszusehen, dass die Schlussgedanken nicht in Jedermanns Brust sympathischen Widerhall wecken werden ; Achtung aber müssen sie Jedem abnöthigen, der sittlichen Ernst zu schätzen weiss. — Ueberblicken wir somit den Inhalt des Buches, so finden wir ihn vor Allem dadurch ausgezeichnet, dass er eine ziemliche Menge neuer, für die Grundfragen der Psychologie wichtiger Gesichtspunkte und Forschungs¬ ergebnisse zum ersten Male einer zusammenhängenden Darstellung des Seelenlebens einfügt. Es füllt dadurch eine geradezu empfindliche Lücke der psychologischen Literatur aus, freilich so, dass man auch nun von den übrigen als brauchbar anerkannten Gesammtdarstellungen der Psycho¬ logie kaum eine wird missen wollen. Witasek (Graz). Carl Stumpf. Geschichte des Konsonanzbegriffes. Erster Theil. Abhandlungen der k. bayr. Äkad. der Wissensch. I. Kl. XXI. Bd. 1. Abth. München 1897. In Kommission des G. Franz’schen Verlags (J. Both). 78 S. 4°. Carl Stumpf. Die pseudo-aristotelischen Probleme über Musik. Abhandlungen der k, preuss. Akademie der Wissensch. zu Berlin v. J. 1896. Berlin 1897. In Kommission bei Georg Beimer. 85 S. 4 °. Nachdem Stumpf bereits mit seiner Tonpsychologie (Bd. I—II, 1883, 1890) als Führer auf neuen Bahnen in die vorderste Beihe der Vertreter der Musikwissenschaft getreten, stellt er sich mit den beiden vorliegenden Arbeiten nunmehr auch unter die Musikhistoriker, speziell unter die Forscher auf dem Gebiete der Musik der alten Griechen. Wie er dazu gekommen, berichtet er selbst (Gesch. d. K. S. 3): „Die vorliegende Untersuchung wurde in erster Linie nicht aus historischem, sondern aus sachlichem Interesse unternommen, zu welchem das historische sich freilich bald gesellte. Man ist heute, nachdem Helmholtz’ Erklärung der Konsonanz mehr als zweifelhaft geworden, mit der alten Frage aufs neue beschäftigt. Ein Merkmal scheint Eingang zu finden, das der Verfasser ohne noch etwas von der altgriechischen Theorie zu wissen, bei langjähriger Vertiefung in die Erscheinungen des Tongebietes als wesentlich zu erkennen glaubte, nämlich die Unterschiede in den Verschmelzungsstufen oder in der Einheitlichkeit des Eindrucks beim Zusammenklange der Töne. Da ist es nun lehrreich zu sehen, wie die scharfe Beobachtungsgabe der Griechen dieses Merkmal der sinnlichen Erscheinung bereits erfasste . . . Erst mit dem Beginn der christlichen Musikepoche traten mehr und mehr Unter¬ schiede in der Annehmlichkeit des Zusammenklanges in den Vordergrund, die man dann auf allerlei Wegen, zuletzt durch den Hinweis