Litteratnrbericht 239 sehen Melancholie, wo dann nur einfache (Gehörs-) Täuschungen übrig- bi eiben, die dem Inhalt des Wahnes entsprechen. Der Antagonismus zeigt sich zumeist bei den Gehörs-, seltener bei den Gesichts- und noch seltener bei den Geruchs- und sonstigen Sinnes¬ täuschungen. Der Zeitenlauf zwischen den beiden Halluzinationen ist ungleich; bald treten sie fast gleichzeitig (simultan) auf, bald nach einer Pause (succesiv). Nicht selten erscheinen die antagonistischen Gehörstäuschungen auf beiden Seiten (so dafs z. B. das linke Ohr [Fall IV und VII] die Stimme des Teufels, das rechte die der Madonna hört) einfach oder doppelt. Sind zwei Sinnesorgane, etwa Auge und Ohr, gleichzeitig be¬ troffen, so giebt das für die systematische Einteilung homonyme und heteronyme antagonistische Halluzinationen. Der Antagonismus zeigt sich nicht blofs in rein psychischer Ge¬ staltung, sondern auch in physischer. (In Fall IX und XII sehen die Kranken ein schwarzes und ein weifses Kreuz, einen schwarzen Schatten und ein weifses Licht als üble und günstige Bedeutung). Die Erklärung der antagonistischen Halluzinationen finden die Ver¬ fasser in dem bei den Kranken abnorm gesteigerten Kontrast, der — nach de Sanctis’ fenomeni di contrasto — bei jeder sich einstellenden Idee die ihr widerstrebende Idee auf dem Wege der Assoziation ent¬ wickelt. Fraenkel (Dessau). Meschede. Über Echolalie und Phrenolepsie. Allgem. Zeitschr. f. Psychiatrie. Bd. 53. S. 443—455. (1896.) Die sogenannte Echolalie wird gewöhnlich aufgefafst als Analogon des Nachsprechens der kleinen Kinder und der Papageien (Kraeet-Ebino). Es handelte sich also um eine Bethätigung des Nachahmungstriebes, wozu das kindliche Gehirn und dasjenige des Blödsinnigen besonders disponiert ist. Dem Kinde fehlt noch ein vollbewufstes, selbständig die Sichtung der Aufmerksamkeit bestimmendes und die motorische Aktion leitendes geistiges Ich, — beim Blödsinnigen ist das bereits gebildete Ich wieder defekt und zur einheitlichen Leitung der Vorsteilungsthätig- keit und des motorischen Gebietes unfähig und unzulänglich geworden. Meschede hält für die typischen Fälle von Echolalie eine andere Er¬ klärung für nötig. Bei dem hier näher geschilderten Fall yon Echolalie handelt es sich nicht um einen Blödsinnigen, sondern um eine Verrückte, vielleicht sekundär Verrückte, indem die Wahnideen zum grofsen Teil Folge der Echolalie sind. Das Nachsprechen beruht dabei auf einer inneren Nötigung, die bedingt war durch eine vom bewufsten Willen unabhängige und disparate Erregung sensorieller und psychokinetischer Zentra. — Meschede glaubt „das Nachsprechen bedingt, nicht sowohl durch einen Ausfall hemmender Kräfte, als vielmehr wesentlich auch durch ein aktives Eingreifen fremdartiger Motive durch halluzinatorische und psychomotorische, nach dem Schema krampfhafter (automatischer) Bewegungsimpulse sich abspielender Vorgänge im Seelenorganismus.“ Es ist also keine Ausfallerscheinung, sondern gehört zu denjenigen Vor¬ gängen auf dem Gebiete des Vorstellens, des Denkens und zum Teil auch