Über die Ursachen der Differenzen zwischen wirklicher und scheinbarer Körpergröfse. Von Dr. Ludwig Hoebauee. Es ist eine ziemlich allgemein bekannte Erfahrung, dafs man manchmal Menschen begegnet, welche auffallend grofs zu sein scheinen und den Eindruck des Erhabenen und Imposanten erwecken.- Die erste Vermutung ist dann gewöhnlich die, dafs dieser Eindruck durch besondere Gröfsenentwickelung der Be¬ treffenden bedingt sei, und man ist erstaunt, wenn man sieht, dafs dieselben andere Menschen von mittlerer Gröfse um wenig oder nichts überragen. Ganz besonders eklatant wird bei solchen Personen dieses Plus an virtueller Körpergröfse, wenn man Gelegenheit hat, dieselben entkleidet, z. B. im Bade, zu betrachten; sie erscheinen dann noch bedeutend gröfser als sonst. Andererseits trifft man manchmal Individuen, welche klein und unansehnlich aussehen, trotzdem sie, wie eine Messung uns lehrt, in Wirklichkeit mittlere Gröfse erreichen. In beiden Fällen verschafft uns der Mafsstab die Überzeu¬ gung, dafs diese Vergröfserung resp. Verkleinerung der Gestalt nicht durch ein wirkliches Plus oder Minus an Körpermafs bedingt ist, sondern blos scheinbar statthat, und beweist damit zur Evidenz, dafs die Ursache für diese Erscheinung in den Proportionen der einzelnen Körperteile zueinander begründet sein mufs. Versucht man nunmehr sich darüber Aufschlufs zu verschaffen, welche derselben diesen mafsgebenden EinfLufs auf die virtuelle Gröfse ausüben, so gelangt man im Verlaufe der Beobachtungen zu der Überzeugung, dafs insbesondere das Ver-