Experimentelle Untersuchungen über das Zusammenwirken des akustisch-motorischen und des visuellen Gedächtnisses.1 Von Jonas Cohn. § !• Aufgabe und Methode. In seinem Buch über die Schachspieler und Rechenkünstler hat Binet gezeigt, wie geistige Resultate auf demselben Gebiete durch verschiedenartige Weisen des Behaltens erzielt werden können. Ein Kopfrechner kann sich visueller oder akustisch¬ motorischer Erinnerungsbilder bedienen. Die Details seiner Leistungen werden in beiden Fällen verschieden ausfallen. Was Binet an einigen Beispielen aufserordentlicher Leistungen durchgeführt hat, habe ich versucht, an einer jedem Menschen zugänglichen Aufgabe experimentell zu untersuchen. Wie bekannt, wird ein Buchstabe entweder als gehörter Laut oder als Sprechbewegung oder als geschriebene (gedruckte) Form behalten. Die letzte Möglichkeit, die Schreibbewegung, kommt für die folgenden Untersuchungen kaum in Be¬ tracht. Es lag mir nun daran, ein Verfahren ausfindig zu machen, durch welches diese verschiedenen Sinnesgebiete des Gedächtnisses in ihrem Zusammenwirken untersucht werden konnten. Auf der Verschiedenheit dieses Zusammenwirkens beruht ein grofser Teil der individuellen Unterschiede des Ge- 1 Der wesentliche Inhalt dieser Arbeit wurde in der V. Sektion des III. internationalen psychologischen Kongresses unter dem Titel „Bei¬ träge zur Kenntnis der individuellen Verschiedenheiten des Gedächt¬ nisses“ vorgetragen. Zeitschrift für Psychologie XV. 11