474 Darstellung der KxNTischen sowie der folgenden spekulativen Psycho¬ logie wohl gelungen. In den schwierigsten, die letzten Jahrzehnte (von Hbrbart-Bbnbke bis auf die Gegenwart) behandelnden Teilen sind die mannigfaltigen Strömungen in ihrer Bedeutung, ihrem Werte, ihrem In- einandergreifen treffend und, was besonders hervorzuheben, mit völligst Objektivität charakterisiert; auch das Ausland kommt zu seinem Hechte. Das Werkchen ist — womit übrigens kein Tadel ausgesprochen sein soll — mehr eine Geschichte der psychologischen Systeme, als eine solche der psychologischen Forschung; bei der gebotenen Gedrängtheit der Darstellung war Verfasser natürlich nicht in der Lage, Rücksicht zu nehmen auf die zahlreichen, oft höchst wertvollen Beiträge zu psycho¬ logischen Teilgebieten, die sich in anders tendenzierten Untersuchungen, namentlich staats-, sprach-, religionsphilosophischen, ethischen und ästhetischen finden. Die wesentlichsten Beiträge von der medizinischen Seite her sind zur Besprechung gekommen. W. Stern (Breslau). Féré. La main, la préhension et le toucher. Rev. philos. Bd. 41. S. 621 bis 636. 1896. No. 6. Die Morphologie der oberen Extremität steht in Beziehungen sn den geistigen Leistungen des Individuums. Teils stellen sich groise individuelle Differenzen heraus, die mit den geistigen Fähigkeiten des Individuums im Zusammenhang stehen, teils zeigen die morphologischen Bildungen, besonders der Hand, im allgemeinen bestimmte Anpassungen zu dem Gebrauche derselben als Sinnesorgan. Die Rotationsfähigkeit des Vorderarms beträgt bei den Affen 90—140°/*, beim Menschen 180V*, wobei groise Abweichungen vorhanden sind: bei Idioten ist sie gleich Null, bei Epileptikern und Hysterikern gering, bei geistig begabten Menschen am gröfsten. Ebenso zeigt die Energie der Hand sich am Dynamometer bei Handarbeitern geringer als bei Kunstarbeitern, am gröfsten häufig bei Männern freier Berufe. Die Energie, Schnelligkeit und Genauigkeit der Bewegung steht in direktem Verhältnis zur geistigen Entwickelung. Die Muskeln seien bei Geistesarbeitern unbewufst stets in Bewegung, „Geistesarbeit ist eine körperliche Übung, sie hat alle Folgen der Körperarbeit.“ Diese Ansicht wird für die verschiedenen Formen der Bewegung durchgeführt, für Beugung, Extension, Opposition. Diese letztere hat eine besondere Bedeutung dadurch, dafs sie die für die Tastempfindung wichtigen Fingerbeeren gegeneinander neigt. Die Tastfähigkeit der Fingerbeeren aber hängt in hohem Mafse von der Verteilung der Papillenriflfe auf ihnen ab. Die beweglichsten Finger, Daumen und Zeigefinger, zeigen nämlich die gröfste Verschiedenheit in der Form der Riffe. Ferner ist diese Verschiedenheit um so gröfser, je höher das Individuum organisiert ist. Für die Raumsohwelle zeigt die Anordnung der Leistchen ihre Bedeutung darin, dafs die Schwelle kleiner ist, wenn zwei verschiedene Leisten berührt werden, als wenn eine ein¬ zige ihrer Länge nach berührt wird. In diesen günstigsten Verhältnissen findet aber die wichtige Berührung des Daumens mit den anderen Fingern statt Die Schmerzempfindung zeigt allerdings eine andere Lokalisation als die Berührungsempfindung. Im ganzen nimmt die Be-