Farbenunterscheidung und Abstraktion in der ersten Kindheit. Von W. Pbeyeb. Als ich vor bald zwanzig Jahren anfing, die Entwickelung des Farbensinnes in der ersten Kindheit zu untersuchen, fehlte ©s gänzlich an Vorarbeiten und Methoden. Keine der zur Prüfung des Farbensinnes Erwachsener erfundenen Verfahrungs- weisen liefs sich mit Aussicht auf guten Erfolg beim Kinde an wenden. Am meisten erhoffte ich noch von der alten Seebeck- schen Methode, da die Sortierung gleichartiger ungleichfarbiger Objekte (Marken, Täfelchen u.dergl.) in gleichfarbige Gruppen bei genügend zahlreicher Vertretung jeder Farbe das Kind mög¬ licherweise wie ein neues Spiel ergötzen konnte. Indessen fielen diese Versuche noch zu Anfang des dritten Lebensjahres sehr unbefriedigend aus wegen der Unmöglichkeit, die Auf¬ merksamkeit des Kindes hinreichend lange auf das Aussuchen und Zusammenlegen gerichtet zu halten. Die Fehler, welche gemacht wurden, konnten daher ebensowohl der Zerstreutheit wie etwa mangelhaftem Farbenunterscheidungsvermögen zu¬ geschrieben werden. Aus diesem Grunde nahm ich schon vom Anfang an die Farbenbenennung zu Hülfe. Wenn ein Kind alle ihm auf gleich gestalteten, gleich grofsen, gleich glatten, gleich hellen, gleich nahen Flächen vorgelegten Farben richtig benennt, so unterscheidet es zweifellos die Farben in der Empfindung richtig. Durch Variationen dieses Einprägens der Farbennamen und Kombinationen mit dem obigen Verfahren, liefs sich nun zwar die Aufmerksamkeit etwas länger fesseln, aber die Ergebnisse waren im ganzen trotzdem wenig befrie¬ digend. Die Versuche mufsten allzu oft wiederholt werden, und doch waren die Fortschritte im richtigen Benennen der 21 Zeitschrift für Psychologie XIV.