Litteraturbericht. 47 5 Prinzips der Psychogenese zu lösen. Der Mensch, handelt erstens nach freier Wahl, und Wahl schliefst Selbstbestimmung in sich. Zum anderen aber ist das wählende Individuum infolge des Einflusses von Vererbung und Milieu mechanischen Gesetzen unterworfen. Diese Gegensätze sind nur durch die Anwendung des erwähnten Prinzips vereinbar. Die Seele ist „ein selbstthätiges Prinzip, dessen Gesetz Entwickelung eines selbst- bewufsten und selbstbestimmenden Lebens von der blofsen Potentialität zur Aktualität ist“. Alle seelische Thätigkeit ist im wesentlichen teleo¬ logischer Natur, und von diesem Gesichtspunkte aus ist der genannte Mechanismus nur das zweckmäfsige Mittel der selbstbestimmenden Seele. Friedrich Kiesow. C. S. Freund. Über psychische Lähmungen. Neurol Centralbl. XIV. No. 21. S. 938—946. 1895. Die Bezeichnung psychische Lähmung ist für viele Fälle von sog. funktioneller, resp. dynamischer Lähmung zutreffender, als die „hysterische Lähmung“, die zwar auch eine psychische ist, bei der es sich aber nicht um intellektuelle Störung, sondern um abnorme Reizbar¬ keit und jähen Stimmungswechsel handelt, hinter welchen Zuständen — „dem eigentlichen Wesen der Hysterie — eine unbegrenzte Zahl körperlicher Erscheinungen sich verbirgt“. „Die psychische Lähmung ist eine zentrale und als solche eine Lähmung bestimmter Bewegungsformen, aber nicht einzelner Muskeln“ — wobei die Bewegungen in der Form ausfallen, wie sie durch die Er¬ fahrung erworben wurden. — Willkürliche Bewegungen sind eben nichts anderes, als der äufsere Ausdruck gewisser Vorstellungen, d. h. Er¬ fahrungen. Bezüglich der Erwerbung der letzteren folgt Verfasser der Dar¬ stellung von H. Sachs ÇBau und Thätigkeit des Grofshirns u. s. w. 1893) von der Assoziation der „Rindeneinheiten“ und dessen Gesetz von der konstanten Menge der psychischen Energie, dem auch die Bewegungs vor Stellungen unterstehen, als Glieder jener unzähligen Assoziationsketten, wTelche die verschiedenen Teile unseres Gehirns ver¬ binden. (Lediglich der Assoziation dienende Felder giebt es, beiläufig gesagt, nicht). — Ist die Beeinflussung der Bewegungsvorstbllung, d. h. der ihr zu Grunde liegenden assoziativen Verbindungen eine genügend kräftige, so fliefst eine Erregung in die körperwärts ziehenden Nerven¬ fasern ab, und es kommt zur thatsächlichen Auslösung der betreffenden Bewegung, — Durch Hemmung im Bereich der Assoziationsbahn, durch ungünstige Verteilung des begrenzten Vorrates psychischer Energie können Bewegungen unterbleiben und dementsprechend auch dauernde psychische Lähmungen sich entwickeln. Bei anderen Lähmungsformen handelt es sich um den Ausfall anatomisch vorgebildeter Bewegungsmechanismen. Die lokalisierte psychische Lähmung kommt auf demselben Wege zu stände, wie der Erwerb der Vorstellung, also auf einer „ausgeschliffenen“