446 Litter ahirbericht. losen Bewufstseinsthatsachen und ihren objektiven Korrelaten giebt Ver¬ fasser zu, ohne jedoch aus ihr eine Verschiedenheit der physischen und psychischen Erscheinungen abzuleiten. Vielmehr bestehe in diesem Gegensätze zwischen dem Bestimmungslosen der Erscheinung und ihrer Bestimmung durch den „Gegenstand“ das Wesen der Erkenntnis und der Erfahrung als eines endlosen Prozesses. Hierin liege auch der Wert der Mathematik begründet, welche durch geeignete Gestaltung des Verfahrens die Möglichkeit an die Hand gebe, das Bestimmungslose immer genauer zu bestimmen und aus den Datis der Erfahrung immer besser die wahre Gestalt des Natur Vorganges zu konstruieren. Von diesem Standpunkte aus will Verfasser das Wesen des von Volkelt völlig verkannten kritischen Idealismus beurteilt wissen. Nach diesem giebt es keinen Unterschied zwischen Subjekt und Objekt als zweier getrennter Existenzen, sondern nur als zweier verschiedener Seiten in der Erkenntnis. Das Absolute übersteigt unsere Erkenntnis überhaupt. — Diese Sätze enthalten viel nichtiges und Wahres. Man sieht, dafs Verfasser gleichsam in seinem Elemente ist, wenn er sich in erkenntnistheoretischen Überlegungen ergeht, wie er ja selbst seine Ausführungen mit dem Satze schliefst: „Das eigentümliche Arbeitsfeld des Philosophen aber ist und bleibt — die Erkenntniskritik“ (S. 611). Dafs aber die Konsequenzen aus diesen erkenntnistheoretischen Sätzen die Existenz der empirischen Psychologie irgendwie in Präge stellen und den Standpunkt des Verfassers recht- fertigen, dafs es neben einer sorglichen, methodisch fortschreitenden, durch kein metaphysisches Vorurteil beirrten physiologischen Unter¬ suchung nur noch eine Psychologie als etwas „vergleichsweise Neben¬ sächliches“, ohne „grofse positive Enthüllungen“, nur als Lösung „selbst¬ geschaffener metaphysischer Verwickelungen“ geben kann, scheint mir eine geradezu ungeheuerliche Behauptung zu sein. Gerade Verfasser bringt in das Problem, welches er sich gestellt hat, metaphysische Voraussetzungen hinein und beantwortet von ihnen aus in einer un¬ glückseligen Vermischung von Erkenntnistheorie und Psychologie, rein spekulativ Prägen, welche nur an der Hand von Thatsachen zu beant¬ worten sind. Mag man auch mit Hecht vom erkenntnistheoretischen Standpunkte aus den psychophysischen Dualismus leugnen, innerhalb der Erfahrung bleibt er doch zu Hecht bestehen und bietet eine genügend sichere Grundlage für die Trennung zweier Forschungsgebiete. Auch Volkelt spricht ja nur von einer erschlossenen transsubjektiven Körperwelt, also von einer Körperwelt, die nur innerhalb und unter Voraussetzung der Bewufstseinsthatsachen existiert. Arthur Wreschner (Berlin). Th. Ribot. Die Vererbung. Psychologische Untersuchung ihrer Gesetze, ethischen und sozialen Konsequenzen. Fünfte völlig neu bearbeitete Auflage. Autorisierte deutsche Ausgabe von Dr. Hans Kurella. 410. S, Bibliothek für Sosialwissenschafk Bd. 1. Leipzig, Georg H. Wigands Verlag. 1895. Die vorliegende schöne Übersetzung des RiBOTSchen Werkes bildet den ersten Band der von H. Kurella in Gemeinschaft mit anderen Fach-