Das Einfachsehen und seine Analogien. Von SlG-MUND ReICHARB. Als eine der schwierigen Fragen der physiologischen Optik wird die Frage betrachtet, wie das Einfachsehen mit den sogenannten identischen Netzhaut punk ten zu stände kommt. Beim Versuch der Lösung dieser Frage wird das Phänomen, welches erklärt werden soll, sowohl durch die Projektions¬ theorie, als auch durch die Identitätstheorie als ein ganz spe¬ zielles Phänomen des Sehorgans betrachtet, ohne dafs die Frage auch nur aufgeworfen wäre, ob nicht auch die übrigen Sinnesorgane Phänomene aufweisen, die dem Einfachsehen mit den identischen Netzhautpunkten analog sind. Ich glaube, dafs die Frage der Analogie mit den Phä¬ nomenen der anderen Sinnesorgane, wenn sie aufgeworfen wird, nur bejahend beantwortet werden kann. Die zunächstliegende Analogie, die so frappant ist, dafs sie sich beim Aufwerfen der Frage fast aufdrängt, ist die, welche die Phänomene des Gehörorganes bieten. Wir erhalten durch zwei Ohren einen einzigen Gehörseindruck, ebenso wie wir durch zwei Augen einen einzigen Gesichtseindruck erhalten. Die Schallwellen erregen unsere Ohrnervenendigungen links und rechts, also zu gleicher Zeit auf zwei Stellen, ebenso wie die Lichtwellen unsere Augennervenendigungen an zwei Stellen erregen, und der seelische Eindruck ist beim Ohre ein Gehörs¬ eindruck, wie beim Auge ein Gesichtseindruck. Man wird vielleicht hiergegen einwenden, dafs die Analogie zwischen Ohr und Auge in der Richtung fehlt, dals beim Auge