Zur Diagnose psychischer Vorgänge, mit besonderer Bezugnahme auf Hamlets Geisteszustand. Von S. Landmann. Der Breitegrad, bis zu welchem die Gesundheit von dem Äquator der Normalität hinaufreicht, liegt auf der Sphäre des geistigen Lebens höher, als auf der des vegetativen. Die geistigen Erscheinungen können daher, ohne noch als krank¬ hafte angesehen werden zu dürfen, eine viel gröfsere Mannig¬ faltigkeit darbieten, als die physischen. Wird die .Klasse der Simulanten abgerechnet, deren Erkenntnis auf jedem Gebiete mit mehr oder minder gröfser Schwierigkeit verbunden ist, so läfst sich wohl die Behauptung aufsteilen, dafs physische Ab¬ normitäten nur ausnahmsweise einen Zweifel an dem Charakter der Krankhaftigkeit aufkommen lassen, während die psychischen gar nicht selten zu folgenschweren Xrrtümern verleitet haben. Und kommt es wirklich vor, dafs die Bedeutung einer physischen Abnormität einen Zweifel erweckt, so genügt in den meisten Fällen eine Beobachtung von höchst beschränkter Dauer, um eine sichere Aufklärung mit hoher Wahrscheinlichkeit herbei¬ zuführen. Die Abnormitäten psychischer Erscheinungen hin¬ gegen lassen sich nur im Zusammenhänge mit den übrigen Aufserungen des geistigen Lebens als gesunde oder krankhafte mit Bestimmtheit erkennen. Ein einzelner Charakterzug, eine aus dem Zusammenhänge gleichsam herausgerissene Geistes- thätigkeit gestattet vielleicht nur in den seltensten Fällen ein richtiges Urteil über den geistigen Gesundheitszustand eines Menschen. Ein in das Einzelne dringender Überblick über den grofsen Teil eines allgemeine oder besondere Teilnahme er¬ weckenden Lebens ermöglicht es vielleicht allein, aufser-