256 Litteraturberich t. Indem Verfasser unter Benutzung einfacher Linien zunächst die Wirkung des goldenen Schnittes mit symmetrisch angeordneten Ver¬ hältnissen vergleichen liefs, gelangte er zu dem Resultat, dafs bei drei Linien das Verhältnis des goldenen Schnittes, bei vier und fünf die Symmetrie und bei seohs und mehr Linien wiederum die erstere Teilung bevorzugt wurde. Verfasser erklärt diese Erscheinung aus dem Umstande, dafs für die ästhetische Wirkung, neben der Bevorzugung einer Ver¬ schiedenheit in der Anordnung der Einzeleindrücke, vor allen Dingen die Möglichkeit, dieselben zu einer Gesamtvorstellung zu verknüpfen, erhalten bleiben müsse. Bei vertikal übereinandergelagerten Linien stören asso¬ ziative Einflüsse die Beurteiluug des Eindrucks. Mit der symmetrischen Anordnung assoziierte sich hier die Vorstellung des Umkippens. In einer zweiten Reihe von Versuchen konnte Verfasser feststellen, dafs auch bei Linien von ungleicher Länge die Vorstellung der Sym¬ metrie und des Gleichgewichts erhalten blieb, wenn sich dieselben in ungleichen Abständen von einer gegebenen Mittellinie befanden. So ergab sich z. B., dafs, wenn eine 10 cm lange Linie 8 cm von der einen Seite einer 20 cm langen Mittellinie gerückt war, eine Linie von 5 cm Länge für diesen Fall durchschnittlich 24 cm von der anderen Seite derselben entfernt werden muiste (Minimalabstand 16,9 cm, Maximal¬ abstand 29,1 cm). Weniger übereinstimmende Urteile erzielte Verfasser, wenn er bei diesen Versuchen die Längen der einzelnen Linien konstant liefs und statt dessen die Breite derselben variierte. In einer letzten Versuchsordnung verwandte Verfasser kompli¬ ziertere Verhältnisse, indem er einmal verschiedene Formen (Linien von verschiedenen Längen und Breiten, Quadrate, Sterne etc.) kombi¬ nierte und dieselben sodann unter mannigfacher Variierung im Einzelnen in sechs verschiedenen Farben beurteilen liefs. Obwohl betreffs der Einzelangaben auf das Original verwiesen werden muis, sei noch hervor¬ gehoben, dafs Verfasser bei diesen Versuchen trotz mancher individueller Differenzen aus den Angaben dennoch gewisse Konstanten gewann. Mit Bezug auf die verwandten Farben konnte z. B. festgestellt werden, dafs die dunkleren (blau, kastanienbraun und grün) von einem gegebenen Zentrum weiter entfernt werden mufsten als die helleren (weifs, rot und orange), um für die symmetrische Anordnung einen Ersatz zu bieten. Soweit nicht assoziative Einflüsse nachweisbar sind, sucht Verfasser die erhaltenen Resultate auf die Bewegungsempfindungen der Augen zurück¬ zuführen. „Das allgemeine Gesetz scheint zu sein, dais dem Gefühl der Symmetrie Genüge gethan ist, wenn beide (Seiten-) Teile Augenbewe¬ gungen von gleicher Energie erfordern; diese Energie wäohst mit der Entfernung vom Zentrum oder dem Gröfsenzuwachs (larger size) des Objekts und mit der gröfseren Helligkeit der Farbe.“ Friedr. Kiesow (Leipzig). G. Trumbull Ladd. Philosophy of mind. An Essay in the metaphysics of psychology. New York, Ch. Scribners Sons, 1895. 412 S. L. sucht zunächst nachzuweisen, dafs eine Psychologie ohne Meta¬ physik ein Unding ist, und dafs auch solche Psychologen, welche die