252 Lit teraturbei'ich U geistige Arbeit*. Von diskontinuierlichen Messungen wurden nur Wahl- und Wortreaktionen benutzt; als kontinuierliche Arbeit diente das Addieren sowie das Auswendiglernen zwölfstelliger Zahlenreihen. Als Ermüdungs¬ arbeit wurde speziell ein zweistündiger Marsch oder einstündiges Addieren gewählt. Näheres über die Anordnung der Experimente und die Ver¬ wertung der Zahlen ist im Original nachzulesen. Als Versuchsperson fungierte nur der Verfasser selbst. Die Hauptergebnisse sind folgende: Körperliche Anstrengung schädigt die geistige Leistungsfähigkeit mehr als geistige Arbeit (in der gewählten Dosierung!). Die geistige Lähmung giebt sich nach beiden Arbeitsformen in der Verlängerung der Erkennungs-, Wahl- und Assoziationszeiten, in der Schwächung des Gedächtnisses und . der Herabsetzung der Übungsfähigkeit kund. Bei dieser Sachlage können Turnstunden und Spaziergänge nicht als Erholung vor geistiger Arbeit betrachtet werden. Auf motorischem Gebiete ergab sich ein qualitativer Unterschied. Da nämlich nach körperlicher Arbeit auffällig oft Fehl¬ reaktionen auftraten, nimmt B. an, dafs die motorische körperliche An¬ strengung zu einer zentralen motorischen Erregung führt. Nach geistiger Arbeit, die keinen starken motorischen Anreiz bringt, fehlt diese Er¬ regung nicht nur gänzlich, sondern die geistige Arbeit ist sogar im stände, auf die schon vorhandene motorische Erregung deutlich hemmend zu wirken. Die motorische Erregung verschwand rascher wieder, als die geistige Lähmung; ihr Abklingen, konnte durch eine eingeschobene geistige Arbeit wesentlich beschleunigt werden. Während die genannten Ermüdungsarbeiten zu keiner nachhaltigen Schädigung der geistigen Leistungsfähigkeit führten, liefs sich der Einflufs einer sehr starken Ermüdung (Nachtversuch) namentlich auf die Wahlreaktionen noch mehrere Tage hindurch in abnehmender Stärke verfolgen, obwohl die Nachwirkung nach dem subjektiven Urteil der Versuchsperson längst überwunden war. Ziehen (Jena). Hugo Münsterberg. Studies from the Harvard Psychological Labora¬ tory (II). Psychol. Bev. I. 5 (1895). A. H. Münsterberg and W. W. Campbell. The Motor Power of Idea. S. 441—453. Ein Physiker hatte Münsterberg vor zehn Jahren mitgeteilt, dafs, wenn man 20 Sekunden lang in eine helle Flamme blicke, die Augen schliefse und den Kopf um 45° wende, das Nachbild der Flamme sodann in der Bichtung der Kopfdrehung erscheine, dafs dasselbe unter gleichen Bedingungen aber in der Bichtung der objektiven Lichtquelle gesehen werde, wenn die Augen nur während einer Sekunde dem Lichte aus¬ gesetzt würden. Münsterberg konnte die Beobachtung bestätigen, er¬ kannte aber alsbald, dafs man von dieser Erscheinung nicht, wie der Betreffende wollte, auf einen zentralen Ursprung der Nachbilder schliefsen dürfe, sondern dafs dieselbe auf die Beteiligung der Augenbewegungen zurückzuführen sei. öffnete er die Augen nach vollzogener Kopfdre¬ hung, so entsprach die Stellung derselben in beiden Fällen der Bichtung des vordem gesehenen Nachbildes. Münsterberg erkannte aber auch sogleich, dafs der Versuch einen instruktiven Fall für die Mefsbarkeit