Litter a turbericht. 419 bezeichnet. Die Merkfähigkeit hängt zum Teil von der Aufmerksamkeit ah. Die Unfähigkeit der Rückerinnerung beruht zuweilen, aber keines¬ wegs stets, auf einem Verlust der Merkfähigkeit in einem gegebenen Zeit¬ raum (Beispiel: Amnésie rétroactive nach Schädeltraumen). Die An¬ nahme einer willkürlichen Lenkung der Aufmerksamkeit ist auch nach W. eine Selbsttäuschung, analog derjenigen des Selbstbewufstseins. Die Affekte werden zum Schlufs der SchlufsVorlesung etwas gar zu kurz abgehandelt. Von der G-efühlsbetonung und der Häufigkeit des Auftretens hängt die Erregbarkeit einer Vorstellungsgruppe nach W. ab. Unter Normalwertigkeit der Vorstellungen versteht er eine bestimmte Abstufung von ErregbarkeitsVerhältnissen, welche bei den verschiedenen Individuen innerhalb einer gewissen Breite verschieden ist, dooh bei jedem Individuum einen präformierten Besitz gewiss ermafs en von Ranges - unterschieden unter den Vorstellungen bedingt. Die Verschiedenheit der Charaktere|beruht wesentlich auf der verschiedenen Wertigkeit derjenigen Vorstellungen, von denen ihr Handeln unter bestimmten Verhältnissen abhängt. Auch bei dem G-esunden treten öfter überwertige Vorstellungen auf (Ehrbegriff etc.). Bei Geisteskranken sind sie erheblich häufiger. Referent ist schon nach dieser psychophysiologischen Einleitung über¬ zeugt, dafs Wernickes Grundrifs die meisten der landläufigen Lehrbücher der Psychiatrie weit überragen wird. Auch der Psycholog findet über¬ genug Belehrung und Anregung. Ziehen (Jena.) C. Bonfigli. Un caso di demonopatia. Biv. di fr en. XX. 3—4. S. 341. Der Pall von Besessenheit bei einer 29 Jahre alten Bäuerin, die im Mai 1894 in die Irrenanstalt von Rom aufgenommen wurde, ver- aniafst den die Klinik dieser Anstalt leitenden Verfasser schon um des¬ willen zu einem näheren Eingehen, weil es seltsam erscheint, dafs im 19. Jahrhundert ein solcher Fall Vorkommen könne. Allerdings ist der Glaube an Hexen und behext zu sein, wie es in dem fraglichen Falle geschieht, nicht mehr so lebendig, dafs Tausende von Scheiterhaufen Zeugnis davon abgeben, aber er besteht doch, wenn auch abgeschwächt, unter allerlei Formen und wird, wie der Glaube an Geister und Dämonen, dem 20. Säkulum nicht fehlen, so lange der Wunderglaube seine Nahrung den biblischen Vorbildern und neuerdings dem Spiritismus entnimmt.1 Der Vorgang ist sehr erklärlich, wenn man bedenkt, dafs die erblich belastete, durch fünf Kindbetten und Laktation geschwächte, unwissende, religiös gläubige Frau, durch das Abschiedswort ihres Vaters, den man ins Irrenhaus führt, sie solle sich nicht behexen lassen, erregt, von einer als Hexe verrufenen Alten plöfzlich angehalten, von ungewohnten Sensationen in dem berührten Arme befallen wird und in ein krankhaftes Bellen ausbricht, das sie aus dem Zustande einer ihrer hysterischen Verwandten kennt. Die Suggestion setzt sich in dem durch die Vorbedingungen ge- 1 Anm. des Ref. : Vergl. Biv. di fren. Bd. XX. S. 197, wo es heifst: „Man brachte ihn im Mai 1893 nach dem Santuario di Caravaggio, wo man noch jetzt den Exorcismus betreibt und die Besessenen heilt.“ 27*