408 Litteraturbericht. suehungsmethoden von Hrn. Stilling. Wie weit dieses geht, zeigen die folgenden, der Abhandlung wörtlich entnommenen Sätze: „Die Auf¬ stellung von Farbengleichungen vermittelst des Farbenkreisels, wie sie von Hering in den letzten Jahren präkonisiert wurden, ist eine Art der Darstellung, welche nicht den geringsten Aufschlufs über das Sehen der Farbenblinden geben kann. Wer übrigens darauf beharrt, solche Farbengleichungen, die einen gewissen mathematischen Anstrieh, aber auch nur diesen, haben, herzustellen, kann dies viel bequemer mit Hülfe des grofsen STiLLiNGSchen Atlas der wirklichen Verwechslungsfarben der Farbenblinden erreichen.“ Ohne Hm. Stilling irgendwie zu nahe treten zu wollen, glaubt der Referent (und sicherlich mit ihm die Mehrzahl derjenigen, die sich mit farbentheoretischen Untersuchungen beschäftigt haben), dafs Hr. Stilling nicht als infallibel zu erklären ist, und dafs auch den von ihm vertretenen Anschauungen gegenüber noch immer der Appell an das Experiment zulässig ist. Der Herstellung von Farbengleichungen „einen gewissen mathematischen Anstrich, aber auch nur diesen“, zuzuschreiben, heifst, an wertvollen Arbeiten von Maxwell, Donders, Hering und Helmholtz verständnislos herummäkeln. Arthur König. R. Hilbert. Erythropie, zehn Minuten andauernd, infolge starker Er¬ regung des Nervensystems. Betz’ Memorabilien. 3. Heft. 1894. R. Hilbert. Über das Sehen farbiger Flecken. Zehenders Min. Monatsbl XXXIII. S. 125—130. (1895.) Der Inhalt der ersten Abhandlung ist durch den Titel völlig an¬ gegeben, sobald man noch hinzufügt, dafs die Nuance der entstandenen Empfindung zinnoberrot war. In der zweiten Abhandlung wird über das Auftreten eines gelb¬ roten Fleckes im Gesichtsfelde des rechten Auges bei einer 36jährigen Frau berichtet; bereits vier Monate vorher hatte hier Blendungsgefühl und leichte Ermüdbarkeit des betreffenden Auges bestanden. Der Fleck lag etwas nach aufsen vom Fixierpunkte und hatte eine scheinbare Höhe von ca. 6° und eine scheinbare Breite von 4° mit einer leichten Ein¬ buchtung auf der linken Seite, so dafs er im ganzen nierenförmig erschien. Seine Begrenzung war scharf, das Sehen in seinem Gebiete noch etwas mehr verschleiert, als in den übrigen Teilen des Gesichts¬ feldes. Die Patientin verglich die Empfindung dieses Fleckes mit der eines farbigen Nachbildes. Als der Verfasser die Patientin zuerst unter¬ suchte, bestand der Fleck bereits zehn Tage. Nach 14tägigem Aufenthalte im Dunkelzimmer hatte sich die gelbrote Farbe des Skotoms in grau umgewandelt, nach weiteren drei Wochen war das Skotom verschwunden. Arthur König. S. Tchiriew. Nouveau phénomène entoptique. Compt. Bend, de VAcad. des Sciences. Bd. 119. S. 915—917. (1894.) Beim Aufwachen in der frühen Morgendämmerung bemerkt der Verfasser unmittelbar nach dem ersten Augenaufschlag gegen die weifse Zimmerdecke blickend das Gesichtsfeld mit einer Zeichnung erfüllt, die aus hellen Linien besteht, welche dunkle Quadrate zwischen sich ein-