318 Litteraturbericht. Ursachen. Musik allein hat jedoch diesen Effekt nie zur Folge gehabt, sondern immer nur in Verbindung mit Worten. Die Details der Experi¬ mente müssen wohl in dem Artikel selbst nachgelesen werden, und es wäre sehr zu wünschen, dafs die Musik-Ästhetiker, deren „Philosophie“ schon so viel mit der Wirkung und Ausdrucksfähigkeit der Musik gestritten, gedichtet und verdorben hat, sich mit den hier niedergelegten Resultaten bekannt machen würden. Wahrscheinlich wird das nicht der Fall sein und die dialektische Methode und Metaphysik der Musik weiterleben, aber ich glaube trotzdem, dafs diese Art der Experimente dem Ästhetiker die erwünschte (oder vielleicht nicht erwünschte) wissen¬ schaftliche Basis geben würde. Der vorläufige Schlufs Warthins ist: der Effekt der Musik ist emotional, aber rein individuell, indem jede Versuchsperson den Eindruck mit ihrer persönlichen Erfahrung ver¬ bindet (92). In die Sprache der Ästhetik übersetzt, kann man also sagen, Musik ist keine objektive Darstellung der Gefühle, die sie nicht bestimmt, begrenzt und beschreibt, sie ist auch nicht ein rein formelles Spiel ohne Gefühlswirkung, sondern sie veranlafst, dafs wir fühlen; wie wir das thun, mit welchen Vorstellungen, Erfahrungen, Scenen wir das Gefühl verbinden, das ist dem rein individuellen psychischen Leben des betrachtenden Subjekts überlassen. Begreiflicherweise haben diese Resultate in mir auch eine rein persönliche Befriedigung wachgerufen, denn sie sagen in ihrer originellen Weise dasselbe, was ich seit zehn Jahren leider ohne Experiment, aber sonst auf allen möglichen Wegen über den Ausdruck und die Wirkung der Musik zu predigen bemüht war. Ich kann diesen Bericht nicht schliefsen, ohne für etwaige Wieder¬ holungen dieser Experimente den Ruf des Verfassers nach Vorsicht zu wiederholen. Die Gefühlswirkung in der Hypnose ist eine so intensive, dafs sie in gewissen Fällen und bei manchen Personen eine derartige plötzliche Änderung des Pulsschlages hervorruft, dafs eine Gefahr nicht ausgeschlossen ist, wenn der Experimentator nicht sorgfältig beobachtet, zu grelle Übergänge vermeidet und im Falle eintretender Gefahr den Versuch einzustellen oder herabzustimmen in der Lage ist. Wallaschek (London). Meschede. Über den Entwickelungsgang der Psychiatrie und über die Bedeutung des psychiatrischen Unterrichtes für die wissenschaft¬ liche und praktische Ausbildung der Ärzte. Dtsch. med. Wochenschr. 1895. No. 3 u. 4. In seiner bei Eröffnung der neubegründeten psychiatrischen Uni¬ versitätsklinik zu Königsberg gehaltenen Antrittsvorlesung giebt Ver¬ fasser einen geschichtlichen Abrifs über die Irrenheilkunde und das Irrenanstaltswesen und begrüfst als einen erfreulichen Fortschritt der Jetztzeit die Einrichtung psychiatrischer Kliniken, durch die man im Interesse der Erkrankten und der Ärzte dem Postulate eines obligatorischen Unterrichtes in der Psychiatrie näher trete. Peretti (Grafenberg). W. Lloyd Andrlezex. On some of the newer aspects of the pathology of insanity. Brain. Part. LXVIII. Winter. 1894. S. 548—692. Verfasser giebt einen Überblick über die Umwälzungen, welche dank den motorischen Ergebnissen der GoLoischen Silbermethode in der