Litter aturbericht. 287 Der Schein in B.’s Ausführungen, als sei eine solche Trennung doch einleuchtend zu machen, kommt dadurch zu stände, dafs B., indem er von der fertigen Persönlichkeit ausgeht, ein bewufstes Ich schon voraussetzt, also das zu Erklärende in die Erklärungsmittel aufnimmt. Konzedierten wir ihm aber seihst den so gewonnenen Komplex, so haben wir immer noch kein Bewufstsein, sondern nur einen Komplex dynamischer Spuren. Dies erkennt auch B., und er leitet nun folgender- mafsen von dem unbewufsten zum bewufsten Ich über : „E r“ (der Komplex) „wird zu einem bewufsten Ich, in Bezug auf irgend eine (aktive oder passive (!) äufsere oder innere) Thätigkeit, wenn ein an¬ komm ender Sinnesreiz sich mit ihm verbindet, wenn ein excitomoto¬ rischer Beiz von ihm ausgeht . . . oder wenn eine G-ruppe ablaufender Ideenassoziationen mit ihm verbunden bleibt.“ „Er wird zu einen bewufsten Ich“! Warum? Wo ist die Not¬ wendigkeit? B. geht hier einfach aus dem versprochenen Deduzieren ins willkürliche Dekretieren über. Darum soll also das Bewufstsein aufhören, ein „Unerklärliches“, ein „Besonderes“ zu sein? B. hat offenbar gar nicht gemerkt, wo für die anderen Psychologen das „Unerklärliche“ gelegen ist. Gerade dieses, dafs sich zu objektiven äufseren Vorgängen irgendwo, irgendwann, irgendwie ein „innerer“ subjektiver Zustand gesellt — führt er als etwas Selbstverständliches ganz nebenbei ein, in einer Arbeit, die den Nachweis erbringen will, dafs „ein bewufstes Ich existieren rnufs“! (Wenn übrigens eine bewufste Empfindung erst durch Verbindung mit der „Persönlichkeit“ zu stände kommen sollte, dürfte ein Kind in den ersten Lebensmonaten keine bewufsten Empfindungen haben!) Nehmen wir die einzelnen weiteren Aufstellungen B.’s losgelöst von dem Anspruch, die Notwendigkeit des bewufsten Ichs zu erweisen, teils als Hypothesen, teils als Analysen des Psychisch-Gegebenen, so ent¬ halten sie manches Diskutable. Sie nähern sich in der Absicht dem, was sich in tiefer und feiner Ausführung bei englischen und deutschen Assoziationspsychologen findet. Verfasser erklärt in einer Anmerkung, er halte es für unnötig, die Psychologen zu kritisieren, da ein jeder von ihnen die Unzulänglichkeit der Ansichten des anderen genügend darthue. Wir meinen, dafs das zum Kritisieren erforderliche Studium der Psychologen doch den Nutzen gehabt hätte, B. vor der gekennzeichneten kardinalen Täuschung zu be¬ wahren. Liepmann . P. Carus. The seat of consciousness. Journ. of comp, neurol. 1894. Vol. IV. S. 176—192. Carus, der bekannte Herausgeber von „The monist“, bekennt sich auch in dieser Abhandlung wie früher an anderen Stellen zu der Auf¬ fassung, dafs jedes kleinste Teilchen unseres Körpers seiner anatomisch¬ physiologischen Dignität entsprechend beseelt ist. Von diesen zahllos in uns vorhandenen einzelnen Unterseelen, von ihren Empfindungen und motorischen Impulsen wissen wir freilich an und für sich nichts. Unser sogenanntes Bewufstsein erwächst jeweilig immer nur aus einem Teil