Besprechungen. 281 Die Spinnenzellen (Neurogliazellen) liegen zwischen den Sehnerv en- fasern im Nervus opticus, in der Sehnervenschicht der Retina und zwischen den Ganglienzellen. Sie bilden wahrscheinlich einen schlecht leitenden Apparat für die Nervenströmungen in der Retina, denn sie finden sich immer reichlich mitten zwischen den Nervenfasern, isolieren dieselben voneinander und verhindern eine longitudinale Berührung der einzelnen Fasern. Es ist in physiologischer Beziehung bemerkenswert, dafs sich ein Lichtreiz um so^mehr konzentriert, je weiter er durch die Retina durch¬ schreitet. Die obere Verzweigung einer bipolaren Zelle umgreift stets die Endkügelchen mehrerer Stäbchen, und wiederum pflegen mehrere bipolare Zellen mit ihrer unteren Verzweigung mit einer Ganglienzelle in Beziehung zu treten. Während also die Stäbchen vielleicht nur punktförmige Eindrücke aufnehmen, sind dieselben in den bipolaren Zellen und noch mehr in den Ganglienzellen zu bildförmigen Ein¬ drücken gesammelt. Die horizontalen Zellen sammeln die Eindrücke wohl in transversaler Richtung unterhalb der Endigungen der Sehzellen. Die Rolle der MüLLERSchen Stützfasern scheint nicht nur darin zu bestehen, die nervösen Elemente zu stützen, sondern auch, die Zellfortsätze zu isolieren und eine Überleitung der Reize in horizontaler Richtung im Niveau der Körnerschichten zu verhindern. Die seitlichen Ausbreitungen der MüLLERSchen Zellen fehlen oder werden sehr fein in den Schichten, wo ein nervöser Konnex der Zellen untereinander stattfindet (plexiforme Schichten). Es folgen schliefslich noch eigene Kapitel über 3. die Fovea centralis; dieselbe unterscheidet sich von anderen Teilen der Retina hauptsächlich dadurch, dafs auf gleichem Raume hier eine gröfsere Anzahl Zapfen vorhanden sind; die Zapfen in der Fovea sind weit zarter und dünner, und ihre Basilaranschwellung setzt sich ausschliefslich mit dem Büschel einer bipolaren Zelle in Kontakt. Aus dem Umstande, dafs für die beiden nervösen Kontaktoberflächen in der inneren plexiformen Schicht, den unteren Büscheln der Bipolaren einerseits und den oberen Büscheln der Ganglienzellen andererseits der Raum in der Fovea zu klein ist, und dafs die Zapfen in der Fovea in gröfserer Anzahl vorhanden sind, als anderswo in der Retina, erklären sich die Strukturveränderungen in dem perifovealen Teil der Retina: die Schrägheit der Zapfenfasern und der Fortsätze der bipolaren, die beträchtliche Dicke der inneren und äufseren Körnerschicht etc.; 2. die Entwickelung der retinalen Zellen. Verfasser führt in sehr geistvollen Schlüssen aus, dafs das Entgegen wach sen der zusammengehörigen Zellen wohl hauptsächlich durch Chemotaxis geschehe. Im ganzen genommen, ist die Retina ihrem Bau nach als ein echtes nervöses Zentrum des Zentralnervensystems zu betrachten, das nur in die Peripherie vorgeschoben ist. Im vorstehenden habe ich versucht, die hauptsächlichsten Er¬ gebnisse aus den Arbeiten Cajals hier etwas ausführlicher wiederzugeben. Ich mufs es mir jedoch versagen, auf die vielfachen scharfsinnigen Über¬ legungen und Kombinationen Cajals einzugehen, durch die er sich