Besprechungen. 277 Methylenblaufärbung zu Kontrollversuchen. — An die Spitze seiner Unter¬ suchungen stellt Cajal den Satz von der Unabhängigkeit der nervösen Elemente voneinander. Die Zellen verbinden sich mit ihren Ausläufern nicht untereinander, sie bilden keine Netze (alte Netztheorie), sondern eine wirksame Übertragung der Nervenreize von Zelle zu Zelle findet schon dadurch und nur dadurch statt, dafs die Fortsätze und Veräste¬ lungen einer Zelle sich denen der benachbarten Zelle mit ihren Spitzen oder ihren Seitenflächen anlegen (neue Kontakttheorie). Nur durch innigen Kontakt ihrer Fortsätze treten die Zellen zu einander in Be¬ ziehungen. Die Nervenzellen sind miteinander in keinerlei Verbindung stehende „Individuen“ (Edinger) oder Neurone (Waldeyer). Cajal konnte diesen Satz vor einigen Jahren nach Befunden im Kleinhirn und im Bulbus olfactorius aufstellen, er bestätigt sich aber ganz besonders nach den Befunden in der Betina. Wir müssen also zuerst die Ansicht von dem Bestehen eines nervösen Netzes in der Betina fallen lassen. Es ist die Frage nach dem Zusammenhänge der nervösen Elemente von grofser allgemeiner prinzipieller Bedeutung für die ganze Anatomie und Physiologie des Nervensystems. Die meisten Anatomen haben sich der neuen CAJALSchen Kontakttheorie angeschlossen, und es ist an ihrer Dichtigkeit kaum noch zu zweifeln. Allerdings giebt es auch noch heftige Gegner derselben, welche an der alten Netztheorie festhalten. Es sind das hauptsächlich solche Forscher, welche nur mit der Methylenblaumethode gearbeitet haben; der eifrigste Gegner ist Dogiel, dem wir übrigens auch viele neue Thatsachen verdanken. Nach den Arbeiten von B. y Cajal darf man den schon von H. Müller und seinen Nachfolgern so eifrig gesuchten Zusammenhang der Stäbchen und Zapfen mit den Sehnervenfasern nunmehr als auf¬ gefunden und festgestellt betrachten. Allerdings ist der Zusammenhang nicht so, wie man immer geglaubt hatte, lückenlos, sondern es finden sich Unterbrechungen in der Nervenbahn oder ÜbertragungsVorrichtungen durch Kontakt. Die Stäbchenfaser endet in der äufseren granulierten (plexiformen) Schicht frei mit einem Knötchen ; dieses Knötchen wird umsponnen von den Endfasern der oberen Fortsätze bestimmter bipolarer Zellen, welche nur für die Stäbchen bestimmt sind und sich von den Bipolaren, welche für die Zapfen bestimmt sind, unterscheiden lassen. Unten setzt sich dann diese bipolare Zelle mit einem absteigenden Fortsatz direkt auf eine Ganglienzelle auf, umklammert sie mit fingerförmigen Zweigen und leitet ihr (durch Kontakt) den empfangenen Lichtreiz von den Stäbchen zu. Die Ganglienzelle sendet dann den empfangenen Impuls durch eine Sehnervenfaser den optischen Zentren zu. Der Weg, den ein Beiz durch die Zapfen nimmt, ist anders. Die Zapfenfaser endet in der äufseren granulierten (plexiformen) Schicht mit einer breiten Basis, von der basiläre kurze Fädchen ausgehen. Mit diesen treten die Fädchen von den Enden der für die Zapfen be¬ stimmten bipolaren Zellen in Kontakt. Der untere Fortsatz dieser Bipolaren endet in verschiedener Höhe in der inneren plexiformen Schicht mit einer Endverästelung. Diese Ästchen treffen zusammen