Besprechungen. 275 ist, wo Schwierigkeiten zu überwinden sind, ein Motiv gegen ein anderes sich durchsetzen mufs, wo sich das Kraftgefühl als ein Gefühl der Anstrengung äufsert“ hat Referent schon einmal (diese Zeitschrift Bd. VIII. S. 81) Stellung genommen. Hier als einen Beleg, dafs der Gleichung Wille = Wahl das Sprachgefühl des Verfassers selbst nicht treu zu bleiben vermag, die Stelle: „Ist aber das Gute, das wir objektiv als den Dienst an der Wohlfahrt der Gesamtheit fassen können, im einzelnen zur herrschenden Macht geworden, so dafs er sich fraglos und wahllos, freudig und willig in diesen Dienst stellt, so kann es sich verschieden in ihm äufsern“ u. s. f. (S. 176). Nach dem kurzen Abschnitt VII. „Abnormitäten im Gefühlsleben“ (1. Geisteskrankheit, 2. Hypnotismus) gelangt im „Schlufs“ (S. 320—328) Verfasser zu einer Art Bewertung des Gefühles, wobei er es sich (aus nicht recht überzeugenden Gründen) versagt, bis zu.einer Metaphysik des Gefühles vorzugehen. „Was es (das Gefühl). . hier leistet . . läfst sich mit einem Worte aussprechen, das wir bisher hinantgehalten haben und das doch alles in sich fafst: Das Gefühl schafft Werte“ (S. 322). Warum „hintangehalten“, wird nicht gesagt. Jedenfalls dürfen wir aber Beiträge zu einer Theorie des Wertes als solchen in dem Buche, nämlich in dem kurzen Schlufswort, nicht suchen. Ob z. B. der Verfasser auch nun die Frage: „Schafft j edes Gefühl Werte?“ nach Meinongs Analyse der Wert¬ gefühle als einer speziellen Gefühlsklasse (Existenzialgefühle) noch bejahen möchte? — Die den obigen unmittelbar folgenden Worte: „Nur was Wert besitzt, wird von mir erkannt (?), nur was für mich Wert hat, wird von mir erstrebt, unternommen und gethan“, klingen in ihrer ersten Hälfte jedenfalls nicht erkenntnis-theoretisch, was sie ja doch sein wollen. — Referent schliefst wieder mit der Versicherung, dafs er sich wohl bewufst ist, durch die herausgegriffenen Einzelheiten zwar vielleicht • * Anregung zu deren sachlicher Überprüfung seitens des Verfassers selbst, nicht aber ein angemessenes Bild von dem vielen Detail, das dem Leser das Buch lehrreich und angenehm macht, haben geben zu können. Wie Verfasser selbst einmal (S. 27) Wundt und Höffding „die zwei bedeu¬ tendsten Psychologen der Gegenwart“ nennt, so teilt auch sein vorliegender Beitrag zur Psychologie im ganzen die Vorzüge wie die Schwächen der genannten Schriftsteller. Über „bedeutend“ und „bedeutendst“ wollen wir nicht streiten ; genug, wenn sich nur alles in allem zeigen wird, dafs ihre und Zieglers Art, Psychologie zu treiben, dem Gegenstände über¬ haupt neue Interessenten zuführt. A. Höfler (Wien). Ramon y Cajal und Richard Greeff. Die Retina der Wirbeltiere, nach Arbeiten von Ramon y Cajal. In Verbindung mit dem Verfasser zu¬ sammengestellt, übersetzt und mit Einleitung versehen von R. Greefe. Wiesbaden, J. F. Bergmann. 1894. Gr.-Quart. 180 Seiten mit 7 Doppel¬ tafeln und 3 Abbildungen im Text. Das vorliegende, von der Verlagsbuchhandlung J. F. Bergmann prächtig ausgestattete Werk enthält eine ausführliche Zusammenstellung der Ergebnisse aus den Arbeiten Ramon y Cajals, welche vom Jahre 18*