Besprechungen. Harald Höffding. Psychologie in Umrissen auf Grundlage der Erfahrung. Zweite deutsche Ausgabe, unter Mitwirkung des Verfassers nach der vielfach geänderten dritten dänischen Ausgabe übersetzt von F. Bendixen, Gymnasiallehrer. Leipzig, Fues’ Verlag (R. Reisland). 1893. 500 S. Wenn Referent nach wiederholten eigenen Erfahrungen urteilen darf, tritt an denjenigen, von dem es bekannt ist, dafs er sich fachmäfsig mit Psychologie beschäftige, gegenwärtig häufiger als bezüglich einer anderen philosophischen Disziplin aus Laienkreisen die Frage heran, aus welchen Büchern man sein Interesse an den Gegenständen und Resultaten der psychologischen Forschung befriedigen könne, ohne sich auf aktiven kritischen Anteil an derlei Forschungen persönlich einlassen zu können und zu wollen. Referent hatte sich durch solche Fragen immer in einige Verlegenheit gesetzt gesehen: denn man müfste wenig Gefühl für die Art und die Gründe jenes so allgemeinen Interesses gerade an psychologischen Dingen haben, wenn man sich schmeicheln wollte, dafs es durch die vom Laien gar nicht zu ahnenden Detailfragen und die allenthalben nur zu mannigfaltigen Versuche einer exakten Beantwortung, wie sie die besten, nach strengen empirischen Methoden vorgehenden Arbeiten der Gegenwart sich zur Aufgabe machen, nicht vielmehr abgestofsen, als auch nur teilweise befriedigt werden könne. Der erste Eindruck, den Referent schon von der ersten deutschen Auflage des HöFFDiNGSchen Buches empfangen hat, und der sich hei wiederholtem Lesen und Nachschlagen der ersten wie der zweiten Ausgabe immer wieder bestätigte, war der, dafs es sich gerade derartigen Bedürfnissen eines natürlichen, noch nicht gleichsam wissenschaftlich verfeinerten oder üherverfeinerten Interesses aufs geschickteste anpasse. Bei mäfsigem Umfange eine Fülle von Mitteilungen über Erscheinungen aus dem Lehen, die man als im engeren Sinne „psychologisch interessant“ zu bezeichnen pflegt, Belegstellen aus der Dichtung, welche sich gleich fern von Trivialität1 wie von Phantasterei halten, sondern wirklich in geheime Falten und Abgründe der Menschenseele hineinleuchten — 1 In der sehr verbreiteten Schulpsychologie von Dr. Johannes Crüger wird z. B. aus Dichterstellen im einzelnen induziert, dafs „der Erschrockene blafs wird und zittert“, dafs „der Freudige lacht und jauchzt“. (4. Aufl. 1892. S. 127) u. dergl. m.