126 Lüteratiirbericht, kann, und der vorliegende auch wirklich manches enthält. Aber man wird sich bei dem Anblicke eines so aufserordentlich reichhaltigen Programm» nicht der Meinung erwehren können, dafs Verfasser der experimentellen Psychologie eine allzu weite Aufgabe stellt. Man hätte dieses um so weniger erwarten dürfen, als er selbst im Anfänge seines Aufsatzes nur historisch begründete Erwartungen und infolge bisheriger Resultate be¬ rechtigte Wünsche in Aussicht stellt. Jedenfalls ist eine „wissenschaft¬ liche Vertiefung und Erweiterung“ von derartigen allgemeinen Problem¬ stellungen, ohne genügende Kritik und ohne die notwendigsten Angaben über das „Wie“ der Lösung, kaum zu erhoffen. Arthur Wreschner (Berlin). P. Schenck. Physiologisches Praktikum. Eine Anleitung für Studierende zum Gebrauch in praktischen Kursen der Physiologie. XII u. 308 S. mit 153 Abbildungen. F. Enke, 1895. Stuttgart. Von den fünf grofsen Abschnitten, in welche das Buch zerfällt,, kommt nur der zweite: „Physiologie des Nervensystems und der Sinne“ für unsere Zeitschrift in Betracht. Es ist mit besonderer Freude zu begrüfsen, dafs in ihm zehn Para¬ graphen der Sinnesphysiologie gewidmet sind. Denn bisher ist dieses Gebiet bei der Einrichtung physiologischer Kurse stets sehr stief¬ mütterlich behandelt worden. Ein HELMHoi/rzsches Ophthalmometer wurde wohl in den Vorlesungen demonstriert, aber von seiner praktischen Handhabung hielt den Studenten und sogar den Ophthalmologen ein geheimes inneres Grauen vor der unvermeidlichen trigonometrischen Formel 2 h sin («—ß) cos ß ab, und ähnlich ging es mit manchen anderen Apparaten. Das kann nur anders werden, wenn der Student ziemlich früh, wo er seine in der Schule erworbenen mathematischen Kenntnisse noch nicht ganz vergessen und diese ohne Angst vor geistiger Überanstrengung wieder aufzufrischen den Mut hat, an der Hand eines Leitfadens gewisser- mafsen zwangsweise in die für die grofse Menge 'der Mediziner bisher esoterischen Gebiete eingeführt wird. Wenn wir somit auch der ganzen Tendenz des Verfassers auf diesem Gebiete sympathisch gegenüberstehen, so wollen wir doch nicht ver¬ schweigen, dafs es uns ungerechtfertigt erscheint, von allen Sinnen nur den Gesichtssinn bei den Versuchen zu berücksichtigen. Die Schall¬ leitung durch Luft und Knochen, die WEBERSchen Gefühlskreise der Haut u. s. w. bieten doch auch des Interessanten viel. Unverständlich ist es dem Referenten, wie der Verfasser, der sich doch sonst über den gegenwärtigen Stand der Physik orientiert zeigt,, im letzten Satz der Anmerkung 2 auf S. 18 schreiben kann, dafs die „Elektrizität eine besondere Form der Wellenbewegung, also Kraft“ sei.. Woher hat der Verfasser diese, alle bisherigen Anschauungen und Be¬ griffe umstürzende Kenntnis? Arthur König.