Litteraturberichb 125 in Beziehung gesetzt wird, sei nicht gleichgültig. Verfasser seihst schlägt eine Unterscheidung zwischen G-röfse und Feinheit der Unter¬ schiedsempfindlichkeit vor. Der zweite Abschnitt behandelt die Teile der experimentellen Psychologie. Während die peripherisch erregten Empfindungen eine vielfache Bearbeitung gefunden haben, wurden die zentral erregten (Erinnerungsbild, Vorstellung etc.) fast gänzlich vernachlässigt. Schon mehr Beachtung fanden die Gefühle. Aber gleichwohl hat man noch kein völlig sicheres Mittel entdeckt, um das Auftreten und den Verlauf dieser psychischen Erscheinungen einer genauen sinnlichen Beobachtung zu¬ gänglich zu machen. Für die peripherisch erregten komme besonders der Beiz, für die zentral erregten aber mehr die körperliche Folge¬ erscheinung in Betracht. — Auch unter den experimentellen Unter¬ suchungen über die Verbindungen der Bewufstseinselemente erhielten den Löwenanteil die peripherisch erregten Empfindungen. Aber selbst hier fehlt es noch an systematischer Abgeschlossenheit. Die Verbindung disparater Empfindungen, die der Empfindungen mit den Gefühlen und der Gefühle untereinander, ist wenig berücksichtigt, ebenso die Psychologie des Zeit- und Baumsinnes. Nicht besser steht es mit den Verbindungen der zentral erregten Empfindungen, der Untersuchung der Affekte, Triebe und Willensakte. Von dem Bewufstseinzustande als Ganzem ist nur die Aufmerk¬ samkeit genügend gewürdigt worden. Infolge der verschiedenartigsten Wirkungen dieser psychischen Thätigkeit konnte eine feststehende An¬ sicht trotzdem bisher nicht gewonnen werden. Die Erscheinungen des Traumlebens sind viel beschrieben, wenig wissenschaftlich erkannt. Die Hypnose fand viel Bearbeitung, ohne die auf sie gesetzten Hoff¬ nungen vollständig zu erfüllen. Was das Verhältnis der experimentellen Psychologie zu den an¬ deren Wissenschaften anlangt, so kann jene der Naturwissenschaft nur methodische Vorteile gewähren, indem sie die sinnliche BeoV achtung verfeinert und schärft und das Subjektive vom Objektiven sauber sondert. Dagegen leistet sie den Geisteswissenschaften, namentlich der Sprach-, Bechts-und Beligionswissenschaft auch durch ihren Inhalt wesentliche Dienste. Für die Philosophie im besonderen hat sie .zunächst den Wert, den jede Einzel Wissenschaft hat, sodann aber unter¬ sucht sie die psychologischen Grundlagen der Logik, Erkenntnistheorie, Ethik und Ästhetik. Am meisten hat dies die letztere Disziplin, am wenigstens noch die Pädagogik erkannt. Die Metaphysik hat von der experimentellen Psychologie so wenig als von der experimentellen Naturwissenschaft zu erwarten. In einem kurzen Anhänge wird dann noch auf die Bedeutung Bonnets, ganz besonders aber Tetens’ für die experimentelle Psychologie hin¬ gewiesen. Eine eingehende Kritik der angeführten Behauptungen übersteigt den engen Bahmen einer Bezension. Es sei daher hier nur hervor¬ gehoben, dafs ein derartiger Überblick über das gesamte Gebiet der ^experimentellen Psychologie viel Fruchtbares und Nützliches enthalten