Uber die Funktion der Netshautstäbchen. 123 Endlich noch eine Bemerkung: Hering sagt in der ersten der beiden oben erwähnten Abhandlungen, es hätten König und ich „neuerdings unsere frühere Ansicht und sogar die YouNG-HELMHOLTzsche Farbentheorie teilweise aufgegeben und eine Erklärung des Purkinje sehen Phänomens versucht, welche an die von ihm (Hering) entwickelte Lehre von den weifsen Valenzen der farbigen Lichter anknüpft“. Hierzu möchte ich bemerken, dafs, soweit ich in Frage komme, ein teilweises Aufgeben der Helmholtz sehen Theorie, und, wenn man will, auch eine gewisse Annäherung an die An¬ schauungen Herings, doch wohl vor allem darin gefunden werden mufs, dafs ich von jeher die HELMHOLTZschen Komponenten nur als den zutreffenden Ausdruck einer peripheren Grliede- rung unseres Sehapparates, nicht aber für die Vorgänge in der Hirnrinde gehalten habe. Dieser eingeschränkte Sinn, in dem ich die Drei-Komponenten-Theorie stets vertreten habe, ist von mir oft genug und auch schon in meinen ersten Arbeiten {1882) betont worden, und ich hatte nur zuweilen Anlafs, zu bedauern, dafs von gegnerischer Seite hiervon nicht mehr Notiz genommen wurde. Die Anschauung, die ich mir in neuerer Zeit bezüglich der Stäbchenfunktion gebildet habe, stellt gegenüber meiner älteren eine Ergänzung dar; da dieselbe aber die Anschauungen von der Einrichtung des trichromatischen Apparates ganz unberührt läfst, so vermag ich darin eine weitere Entfernung von den HELMHOLTZschen oder eine An¬ näherung an die HERiNGschen Vorstellungen nicht zu erblicken. — Den Wert jener Beobachtungen, in denen Hering die Weifsvalenzen zu bestimmen meint, habe ich keinen Augen¬ blick verkannt; nur bin ich überzeugt, dafs das, was hier be¬ stimmt wird, etwas anderes ist, als das, was Hering mit dem Worte Weifsvalenz bezeichnet, nämlich Stäbchenvalenz.