82 J. von Kries. während der Grund weifs oder weifslich wäre. Macht man nun den Spalt des Schirmes breiter, welcher das Violett durch- läfst, so wird das Violett, also auch der violette Schatten licht¬ starker, und man kann durch eine passende Regulierung der beiden Spalten leicht bewirken, dafs der violette Schatten dem Auge ebenso hell erscheint, wie der gelbe. Wenn man nun den einfachen Spalt des ersten Schirmes, durch welchen das vom Heliostaten reflektierte Licht zum Prisma tritt, erweitert oder verengert, so verstärkt oder schwächt man die ganze Lichtmasse, die in den Apparat tritt, und zwar alle ihre einzelnen farbigen Lichter in gleichem Verhältnisse, so auch in gleichem Verhältnisse das Licht des gelben und violetten Schattens. Dabei ergiebt sich, dafs schon bei einer geringen Verstärkung des Lichtes das Gelb stärker, bei einer geringen Schwächung das Gelb schwächer als das Violett erscheint.“ Man bemerkt, und es sei darauf hier gleich ausdrücklich hingewiesen, dafs die Beobachtung hier ganz und gar auf eine Helligkeitsvergleichung verschiedenfarbiger Lichter gegründet wird. Dafs bei der Herabsetzung der Lichtstärke auch Ver¬ änderungen der Farbe, insbesondere der Sättigung, eintreten, war allerdings bekannt. Doch war nicht gerade in diesem Zusammenhänge davon Notiz genommen worden. In zwei wichtigen Beziehungen wurde unsere Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse durch die Untersuchungen von Hering und Hielebrand1 erweitert. Sie zeigten nämlich, dafs ein sehr lichtschwaches Spektrum von dem gut dunkeladap¬ tierten Auge vollkommen farblos gesehen wird und dabei in einer Helligkeitsverteilung, welche von der gewöhnlichen, dem lichtstarken Spektrum eigentümlichen, sich sehr auffällig unter¬ scheidet, so zwar, dafs das Helligkeitsmaximum gegen das brechbarere Ende verschoben ist, das rote Ende unter Umständen ganz unsichtbar sein kann, durchweg, wie man kurz sagen kann, in einem Paar ungleicher Farben von gleicher Hellig¬ keit bei übereinstimmender Abschwächung eine Begünsti¬ gung des kürzerwelligen Lichtes eintritt. Die Beobachtung schliefst, wie man sieht, das „PuRKiNJEsche Phänomen“ 1 Hillebrand, Über die spezifische Helligkeit der Farben (mit Vor¬ bemerkungen von E. Hering). Süzungsber. d. Wien. Akad. Math.-naturw. Kl. XCVm. Abt. 3. S. 70. 1889.