78 Litter a turberi eh t. konkret, der des Mannes mehr abstrakt, und was dergleichen Ver¬ schiedenheiten mehr sind. Immer aber wird sich unsere Überzeugung mit weit mehr Becht auf dem Wege der Erfahrung, als durch wissen¬ schaftliche Schlüsse gewinnen lassen, und was wir Natur nennen, ist oft genug nur eine Folge der Erziehung. Würde man beide G-eschlechter rückhaltlos ihren Neigungen überlassen, so würden sie sich voraus¬ sichtlich in einer weit gröfseren Ähnlichkeit zusammenfinden, als dies jetzt der Fall ist. Was die Menschheit von der Kultur der Zukunft zu erwarten hat, ist die Entwickelung einer gleichen Freiheit für beide Elemente des Lebens, für das männliche und weibliche; was wir jedoch zur Zeit mit Sicherheit darüber wissen, ist nur dazu angethan, uns in der Ver¬ wertung der Thatsachen eine gröfsere Zurückhaltung aufzuerlegen, als es leider vielfach geschieht. Pelman. Cesare Lombroso. Entartung und Genie. Neue Studien. Mit 12 Tafeln. Gesammelt und unter Mitwirkung des Verfassers deutsch heraus¬ gegeben von Dr. Hans Ktjrella. G. H. Wigand, Leipzig, 1894 308 S. ____ • ♦ Keine Übersetzung, sondern ein von Kurella deutsch herausgegebenes Werk Lombrosos , das im wesentlichen die zahlreichen Zusätze des Meisters zur sechsten Auflage seines üomo di Genio enthält, durch Kurellas Kunst und Geschicklichkeit sich aber auch in diesem lockeren Gefüge zu einem leidlich einheitlichen Ganzen gestaltet hat. Ktjrella ist der Überzeugung, die vorliegende Arbeit werde mit zu einem besseren Verständnisse und zu einer gerechteren Beurteilung Lombrosos beitragen, eine Ansicht, die, wie ich befürchte, auf lebhaften Widerspruch stofsen ward. Ich wenigstens, der ich mich dreist zu den Bewunderern des italienischen Gelehrten rechnen darf, hätte viel lieber manches von dem ungeschrieben oder doch unveröffentlicht gesehen, was uns hier und in anderen Schriften vorgesetzt wird. Die bekannten und oft gerügten Fehler Lombrosos, sein kritikloses Zusammentragen aller möglichen Kuriositäten, das Generalisieren ver¬ einzelter Beobachtungen und die oft jeder Logik hohnsprechenden Schlüsse, die übrigens schon seinem Uomo di Genio anhafteten, treten uns hier noch unverblümter entgegen, und ich weifs wirklich nicht, ob Ktjrella seinem Freunde und Meister durch die Veröffentlichung dieser Studien einen Dienst erwiesen hat. Vielleicht würde Martials: one, jam satis est, ohe libelle! eher am Platze und den Werken Lombrosos etwas mehr Buhe und Vertiefung zu wünschen sein. Aber das Genie wandelt nun einmal seine eigenen Wege, und es gehört zu seinen Eigentümlichkeiten, dort Vergleichungspunkte heraus¬ zufinden und Verwandtschaften zu entdecken, wo sie das Auge des minder begabten Normalmenschen nicht erblickt. Wir werden daher manche von den Behauptungen Lombrosos beanstanden und eines weiteren Beweises bedürftig erklären; sie jedoch ohne weiteres abzulehnen, würde der Bedeutung des Forschers nicht die ihr gebührende Bechnung tragen. Er selber steht fester zu seiner Ansicht, als je zuvor, und wer