58 Li tteraturberich t. L. Mauthner. Farbenlehre. Der „Funktionsprüfung“ erster Teil. 2. Aufl. Wiesbaden, J. F. Bergmann, 1894. 168 S. Das vorliegende Buch bildet eine für den breiten Kreis der Ophthal¬ mologen bestimmte und daher nicht mit mathematischem Rüstzeug auf¬ tretende Monographie des schwierigsten G-ebietes der physiologischen Optik. Alle Methoden der Untersuchung, welche keine reinen Spektral¬ farben benutzen, werden in grofser Ausführlichkeit geschildert, während die in letzter Zeit immer mehr in den Vordergrund getretenen Mischungen von Spektralfarben, von deren exakt quantitativer Ausführung und Messung doch wohl zur Zeit einzig und allein die Lösung der bestehenden Streitfragen zu hoffen ist, keine Erwähnung finden. Dieser Mangel ist wohl dadurch zu erklären, dafs der Verfasser mit diesen G-ebieten selbst nicht sehr vertraut war. Dasjenige aber, was Mauthner bringt, ist gut und klar dargestellt. Was dem Werke besonderes Interesse verleiht, sind die an einzelnen Stellen eingeflochtenen historischen Bemerkungen, doch mufs gerade hier besonders darauf hingewiesen werden, dafs die Auffassung Mauthners manchmal zu subjektiv ist. Trotz dieser Mängel, welche nur Einzelheiten betreffen, ist das Buch im ganzen als eine wohlgelungene Arbeit zu bezeichnen. Arthur König. J. von Kries. Über den Einflufs der Adaptation auf Licht- und Farben¬ empfindung und über die Funktion der Stäbchen. Berichte d. Frei¬ burger Naturf' Gesellsch. Bd. IX. Heft 2. S. 61—70. (1894.) A. Hillebrand hatte seine Beobachtungen am lichtschwachen Spektrum damit zu erklären versucht, dafs die Ermüdung, bezw. Er¬ holung des Sehorgans für farblose Helligkeitsempfindung ihren selbst¬ ständigen Weg gehe, unabhängig von der Ermüdung (Erholung) für Farbenempfindungen. Indem von Kries diese Vorstellungsweise an anderen Ermüdungsversuchen zu prüfen unternahm, fand er, dafs un¬ zweifelhaft die Weifsermüdung auch zugleich eine Ermüdung für farbige Eindrücke mit sich bringt. Dies veranlafst ihn, nach einer anderen Erklärung zu suchen für die Erscheinungen des lichtschwachen Spektrums, speziell für dieThatsache,dafs bei dunkeladaptiertem Auge das lichtschwache Spektrum farblos erscheint. Indem er diese zunächst in der gröfseren Helligkeitsempfindlichkeit der seitlichen Netzhaut suchte, fand er nebenbei, dafs die Schwellenwerte für die farblose Helligkeitsempfindung ver¬ schiedener Farben durch Dunkeladaptation in sehr verschiedener Weise verändert werden ; eine Thatsache, die es wahrscheinlich macht, dafs die erste Wahrnehmung der Helligkeit einer Farbe nicht durch die Schwarz- Weifs-Substanz zu stände kommt. Die Erklärung dieser scheinbaren Widersprüche in dem Verhältnis der Helligkeitsempfindung bei der ersten Wahrnehmung einzelner Farben zur Adaptation des Auges sieht nun von Kries darin, „dafs es zwei ver¬ schiedene, eine farblose Helligkeitsempfindung bewirkende Vorgänge geben müsse“, von denen der eine an die Zapfen gebunden ist, der andere an die Stäbchen. Oder genauer, wir besitzen „neben dem peripher durch die Zapfen repräsentierten trichromatischen Sehapparat einen peripher durch die Stäbchen repräsentierten monochromatischen, nur farblose