52 Lüteraturberich t. Nehmen z. B. die Empfindungen e und E in der Skala bezüglich die mte und nte Stelle ein, so ist ihr Verhältnis einfach durch die Proportion e:E=m:n zu definieren. In dieser allgemeinen Form des Mafsprinzipes ist nun noch nichts über die hei der Empfindungsskala eingehaltenen Sprossenweite gesagt; und hei der Behandlung dieses Punktes kommt L. zu dem weitaus wichtigsten Gegenstände seiner Darlegungen, indem nunmehr die grund¬ sätzliche Unmöglichkeit, die Empfindungsreihe auf die .Reizreihe zurückzuführen, zu Tage tritt. Bei physikalischen Gleichungen ist die Sprossenweite der Skala, d. h. die zu Grunde gelegte Einheit, gleich¬ gültig, bei psychischen nicht. Jede physikalische Gröfse ist auf exten¬ sive („longimetrische“) Gröfsen zurückführbar, und hei Messung der letzteren ist die Wahl der Einheit indifferent, weil man hei beliebig vielen Teilpunkten stets die Einheiten der zu vergleichenden Strecken einzeln zur Deckung bringen kann; eine psychische Gröfse ist stets intensiv, hier giebt es keine Teilpunkte, kein Zur-deckung-bringen der Einheiten und daher auch keine Indifferenz der Sprossenweite: eine bei einer gewissen Sprossenweite gefundene psychische Gleichung gilt durchaus nicht für jede beliebige Sprossen¬ weite. Nimmt man die ebenmerklichen Unterschiede als Einheit, so können sich ganz andere Gesetzmäfsigkeiten ergeben, als wenn man (bei der Methode der Mittelschätzungen) übermerkliche Unterschiede zur Einheit wählt; in letzterer Beziehung finden die theoretischen Be¬ trachtungen L’.s durch Merkel experimentelle Bestätigung. Der bemerkenswerte Artikel schliefst mit einem Hinweis auf die erkenntnistheoretisch-methodologische und selbst metaphysische Be¬ deutung jenes fundamentalen Unterschiedes zwischen physischer und psychischer Messung. W. Stern (Berlin). Shinn. Notes on the development of a child. IL Berkeley, Cal Published by the University. (1894.) S. 90—178. Chrisman. One year with a little girl. Educational Beview. (New York.) Vol. IX. No. 1. (1894.) S. 52—71. Obwohl man auch bereits in der Kinderpsychologie über die „poussiere de détail“ zu klagen anfängt, so mufs man Miss Shinn dennoch für die Fortsetzung ihrer Arbeit dankbar sein. In ihr werden zunächst die Beobachtungen auf dem Gebiete des Gesichtssinnes bis zum Schlüsse des dritten Lebensjahres weitergeführt und sodann die übrigen Sinne behandelt. Freilich hat man beim Lesen bisweilen den Eindruck, als würden viele für eine wahrhafte Förderung der Kinderpsychologie belanglose Dinge berichtet; doch läfst sich darüber nur durch sorgfältige Ver¬ gleichung von umfassendem Beobachtungsmaterial etwas Sicheres aus¬ machen. Das ist wohl auch die Ansicht der Verfasserin, der wir aber gleichwohl entgegenhalten müssen, dafs es nicht wohlgethan scheint, das Werk der Vergleichung von dem der Beobachtung fast vollständig zu trennen. Die Verfasserin hätte der von ihr mit so vieler Hingabe behandelten Sache einen noch gröfseren Dienst geleistet, wenn sie selbst