50 Litteraturbencht. haben ferner behauptet, dafs durch die Erfahrung die obige Voraussetzung bestätigt sei, weil die Resultate der experimentellen Untersuchungen ein proportionales Verhalten des Präzisionsmafses und der absoluten Unterschiedsempfindlichkeit (7S) bei wachsender Reizstärke und sonst unverändert bleibenden Versuchsumständen ergeben hätten. Dem gegen¬ über möchte ich jedoch darauf aufmerksam machen, dafs das Bestehen der Proportionalität allein nicht genügt, wenn nicht zugleich ein innerer .Zusammenhang zwischen beiden G-röfsen vorhanden ist. Der Nachweis eines inneren Zusammenhanges fehlt aber nicht nur, sondern es läfst sich sogar behaupten, dafs in einem bestimmten Palle, nämlich bei Ver¬ suchen mit gehobenen Gewichten, ein innerer Zusammenhang völlig aus¬ geschlossen ist. Denn da bei diesen Versuchen die Fehlervorgänge, wie Fecbner experimentell nachgewiesen hat, im wesentlichen äufsere sind, und die Gröfse von h durch die G-röfse der Fehlervorgänge bestimmt ist, so müssen h und 7S unabhängig voneinander sein, und die erwähnte Proportionalität kann nur daher rühren, dafs bei Gewichtsversuchen zufällig sowohl die äufseren Fehler, als auch die Unterschiedsschwelle annähernd proportional der Reizstärke wachsen. Meines Erachtens läfst sich aus den vorliegenden Resultaten nur schlief sen, dafs die zufälligen Beobachtungsfehler, welche bei den nach dem II. und III. Verfahren an- gestellten Versuchen stattfanden, das GAussche Fehlergesetz auch nicht annähernd befolgt haben, und dafs folglich aus den Resultaten ein Mafs für die Unterschiedsempfindlichkeit überhaupt nicht gewonnen werden kann. "Was dann den Umstand anbetrifft, dafs die nach dem I. Verfahren angestellten Versuche ein wesentlich anderes Resultat ergeben haben, so möchte ich noch hervorheben, dafs der Unterschied nicht ohne weiteres nur der Verschiedenheit der Methode zugeschrieben werden darf, da noch die Verschiedenheit der Versuchspersonen zu berücksichtigen ist. Schumann (Berlin). Charles S. Dollet and J. Me Keen Cattell. On reaction-times and the velocity of the nervous impulse. Psychol. Rev. Bd. I. S. 159—168. (März 1894.) Vorliegende Arbeit ist ein Auszug aus einer umfangreichen Ab¬ handlung, welche in den Memoirs of the Academy of sciences, Albany, er¬ scheinen soll. Sie berichtet summarisch über die Resultate sehr zahl¬ reicher Reaktionsversuche auf elektrische und taktile Reize. Was zunächst die elektrische Reizung betrifft, so wird ein grofser Unterschied in der Empfindung zwischen den beiden Polen beschrieben. Wurde z. B, die Oberlippe gereizt, während der andere Pol in eine konzentrierte Salz¬ lösung tauchte, in welcher der linke Fufs stand, so zeigte sich bei positiver Reizung eine prickelnde Empfindung, ein starker Geschmack und ein Lichtblitz, bei negativer ein schwacher „shock“ und Lichtblitz und kein Geschmack, worauf aber im letzteren Falle sehr schmerzhafte Empfindungen stechender und bohrender Art, Muskeltetanus und Blasen folgten. Es wurden dann zur Bestimmung der Fortpflanzungs¬ geschwindigkeit der Erregung im Nerven verschiedene Punkte der linken Seite gereizt. Die wichtigsten Resultate sind: