450 Litteraturbericht. scheinlieh die Empfindlichkeit für alle Geschmacksqualitäten durch dasselbe abgeschwächt wird, aber nicht für alle in gleichem Mafse. Ver- asser prüfte zuerst die Wirkung des Kokains auf Tastreize. Zu dem Zwecke wurde die normale Empfindlichkeit der Zunge und des Mundraumes festgestellt durch Abtasten der betreffenden Hautpartien mit einer sehr feinen Nadel, wobei sehr verschiedene Tast- und Schmerz¬ empfindlichkeit derselben gefunden wurde. In der Mitte der Backen¬ schleimhaut fand sich eine völlig schmerzfreie Stelle, während die Zungenspitze die gröfste Schmerzempfindlichkeit besafs. Es wurde so¬ dann die Wirkung einer einmaligen, fünf- und zehnmaligen Pinselung der zu untersuchenden Hautstelle mit 10-, 5-, 2-, 1- und 0,5-prozentiger Lösung von salzsaurem Kokain festgestellt. Die Hauptergebnisse waren: Der Eintritt der Wirkung ist in der Kegel erst nach 20 Mi¬ nuten spürbar. Bezüglich des Konzentrationsgrades der Lösung und der Anzahl der Pinselungen fand sich, dafs die abschwächende Wirkung des Kokains deutlich zu werden begann bei 1 prozentiger Lösung, wenn dieselbe 5 mal appliziert wurde. Dabei verhielten sich die ver¬ schiedenen Hautpartien nicht gleich, die Zungenspitze wurde selbst hei zehnmaliger Pinselung mit lOprozentiger Lösung nicht anästhetisch. Auf den Innenrändern der Lippen zeigte sich bei schwächeren Lösungen die auffallende Erscheinung, dafs sie für oberflächliche Stiche lebhaft schmerzempfindlich blieben, während tiefere Stiche keinen Schmerz hervorriefen. Für Temperaturreize wurde die Wirkung des Kokains nur an der Zungenspitze erprobt, wo sich dasselbe völlig wirkungslos zeigte. Die Wirkung des Kokains auf Geschmacksreize wurde in der Weise untersucht, dafs zunächst der absolute Schwellenwert für die einzelnen Schmeckstoffe festgestellt wurde, darauf untersuchte Verfasser die Veränderungen des Schwellenwertes unter dem Einflufs der ver¬ schieden häufigen Pinselungen mit den verschiedenen Konzentrations¬ graden der Lösung. Als Schmeckstoffe wurden verwendet Sacch. alb., NaCl, HCl und Chin. suif, und speziell zur Prüfung der Bitterempfind- lichkeit in einem einmaligen Versuch Wermuth, Quassia, Enzian, Aloe. Die allgemeinen Ergebnisse waren: Der abschwächende Einflufs der verschiedenen Lösungen des Kokains ist am gröfsten für die Em¬ pfindlichkeit für Bitter und Süfs. „Betreffs des Sauren und Salzigen ist bei den niederen Lösungsgraden die Wirkung auf Salz am geringsten, hei den höheren jedoch ist dieselbe auf beide Reize teils gleich, teils scheint der Einflufs auf Sauer zu überwiegen.“ Bezüglich der Ein¬ wirkungszeit ergab sich, dafs die Wirkung des Kokains bei allen Geschmacksreizen unmittelbar nach Auftragung auf die Zunge am gröfsten ist. Die Verschiedenheit, welche sich in der Dauer der Einwirkung der Pinselungen für Tastreize einerseits und Geschmacksreize andererseits ergeben hatte, benutzt Verfasser, um den Beweis zu erbringen, dafs Salz- und Sauerempfindungen auch ohne die gewöhnlich sie begleitenden taktilen Empfindungen auftreten können. Betreffs der Gymnemasäure (die der Verfasser von Merk in