406 E. Baehlmann. aphasischen Störungen, bei welchen wir die Sprachmuskulatur in gleicher, freilich genauer studierter Abhängigkeit von den auf sensiblem Wege regulierten Bewegungszentren der Schläfen¬ rinde antreffen. Eine Störung des normalen Verhältnisses zwischen Inner¬ vation und Bewegung kann ferner bedingt sein durch den Fortfall aller sensiblen Eindrücke der Oberfläche der zu be¬ wegenden Gliedmafsen. Dann fehlt der Gradmesser, welcher über die Extension der ausgeführten Bewegung, über ihre Intensität, ja über die Ausführung selbst berichtet, und damit hört ebenfalls die Möglichkeit, richtig zu innervieren, auf. — Das ist der Zustand der mit Anästhesie behafteten Kranken. — Hier leistet nun das Auge dieselben Dienste wie beim Kinde, indem es diesen Gradmesser ersetzt und den noch intakt vorhandenen Bewegungsvor¬ stellungen ihren jedesmal erforderlichen Umfang an weist. Der Gang und die zweckmäfsigen Bewegungen sind vollkommen erhalten, aber nur ausführbar unter Kontrolle der Augen. Die Wichtigkeit des Gesichtssinnes für die Koordination der Bewegungen der Gliedmafsen tritt also besonders hervor, wenn die Kontrolle durch das Gefühl mangelhaft ist oder gänz¬ lich fortfällt. Das Gehen auf schwankendem oder elastischem Boden, unter Umständen also, wo der Fufs beim Aufsetzen sein Tastgefühl einbüfst und Unsicherheit beim Auftreten ein tritt, ist ohne Hülfe der Augen auch für den gesunden Menschen mit normaler Sensibilität äufserst schwierig. Ist gar das Gefühl an der Körperoberfläche herabgesetzt, bei Verminderung der Hautsensibilität, oder aufgehoben, so ist . von einer zweckmäfsigen Bewegung, wie sie zum Gehen, Stehen etc. notwendig ist, nicht mehr die Hede, wenn nicht die Augen diese Bewegungen kontrollieren resp. das Mafs anweisen, nach dem die Innervation sich richten kann. Mit verbundenen Augen vermag ein solcher Mensch nicht die geringste zweckmäfsige Bewegung auszuführen. Schon bei relativ geringerer Herabsetzung der allgemeinen Sensibilität leidet die Sicherheit der Bewegungen und die Stabilität der Innervation überhaupt^ wenn die Augen geschlossen werden, und jeder Kliniker weifs, dafs bei solchen Kranken auch