Über die Rückwirkung der Gesichtsempfindungen auf das physische und das psychische Leben. Eine ophthalmologisch-psychologische Betrachtung nebst Erfahrungen an Schwachsichtigen und Blinden. Von E. Raehlmann in Dorpat. Die hohe Bedeutung der Gesichtsempfindungen für die Ausbildung der seelischen Thätigkeit und für die Schärfe des Intellekts ist erst in der Neuzeit in ihrem vollen Umfange erkannt worden. Die Würdigung des Zusammenhanges der Thätigkeit des Auges mit den übrigen Sinnesgebieten sowohl, als auch mit der motorischen Sphäre, hat auch der Pathologie früher unbekannte Forschungsmittel für die Erkenntnis krankhafter Lebenserscheinungen zugeführt. Dafs Sinneseindrücke auf reflektorischem Wege motorische Erscheinungen bewirken können, ist eine allbekannte Erschei¬ nung. Ein Zusammenhang der Gefühlsoberfläche des Körpers mit dem Bewegungsapparate liegt beim neugeborenen Menschen vollkommen ausgebildet vor, und die Bahnen, auf welchen die Übertragung des Reizes von den Endigungen der sensiblen Nerven in der Haut und Schleimhaut zu dem Muskelapparate gelangt, sind schon frühzeitig bekannt geworden. Ein direkter Zusammenhang der übrigen Sinnesnerven mit motorischen Bahnen ist aber, wenn wir von dem ebenfalls angeborenen Zusammenhänge zwischen Sehnerv und Pupille absehen, vollkommen unbekannt. Indes ist das letzterwähnte Beispiel zu beweisen geeignet, dafs auch den höheren Sinnesnerven, namentlich dem Gehör 26 Zeitschrift für Psychologie VIÜ. m