154 Li ttera tu rberich t. nahmefälle erblickt und selbst bei ihnen ein seelisches Mitwirken für nötig hält. Auch die Thatsache, dafs derselbe Affekt von verschiedenen physio¬ logischen Erscheinungen bei verschiedenen Personen oder bei derselben Person zu verschiedenen Zeiten begleitet sein kann, führt Verfasser mit Hecht gegen Lange än. Ob er aber deshalb berechtigt ist, die Affekte als „plötzliche Abweichungen von der relativen Gleichgewichtslage der geistigen Thätigkeiten" zu definieren, dürfte bei der hohen Bedeutung der physiologischen Begleiterscheinungen gerade bei den Affekten höchst zweifelhaft erscheinen. Sicherlich aber hat Verfasser Unrecht, wenn er es noch als fraglich hinstellt, ob der Schnaps zuerst auf das vaso¬ motorische Zentrum und durch dieses erst auf den Geist wirkt oder um¬ gekehrt. Ebenso scheint mir die Behauptung, dafs ein plötzlicher Knall oder ein blendendes Licht nur eine Erschütterung des Körpers, keinen Affekt herbeifüren, nicht richtig. Denn zunächst verstöfst sie gegen den psycho-physischen Parallelismus, dem Verfasser selbst S. 386 das Wort spricht, sodann beweist die Thatsache, dafs auch Taube durch einen plötzlichen Knall die Erscheinungen des Schreckens zeigen, in diesem Sinne gar nichts, da in dem Knall auch adäquate Eeize für die anderen normal erhaltenen Sinnesorgane enthalten sind und diese auf die Seele wirken können. — Zum Schlüsse wendet sich Verfasser noch gegen den LiEBMANNSchen Einwurf, dafs etwa der rapide Ausbruch einer Geistes¬ krankheit nicht aus „dem phlegmatisch - indifferenten Vorstellungs¬ mechanismus" zu erklären sei. Ohne die Berechtigung eines Vor¬ stellungsmechanismus im HERBARTSchen Sinne auch nur im geringsten zuzugeben, wird man jedoch dem Verfasser beistimmen können, wenn er fragt, warum man jenen Mechanismus sich „phlegmatisch-indifferent" denken müsse, und wenn er darauf hinweist, dafs auch die Gesetze der Statik und Mechanik durch einen Cyklon und Anticyklon keineswegs über den Haufen geworfen werden. Arthur Wreschner (Berlin). A. Pen Jon. Le rire et -la liberté. Bev. philos. 1893. No. 8. S. 1?3 bis 140. I. Nach Ansicht des Verfassers dieser mit mehr Esprit als Exakt- 1 heit geschriebenen Artikelreihe besteht die Freude, die Lust in dem Gefühl einer Art von Ausdehnung, Erweiterung, gegenüber der zusammen¬ ziehenden Tendenz des Schmerzes. Dadurch ist sie untrennbar ver¬ bunden mit der Freiheit, eine Anschauung, die Verfasser auch in manchen französischen Kedensarten findet. So ist die Lust weiter nichts als das Qefühl des unbehinderten Lebens und das Lachen der Peflex dieses sich anderen sehr leicht mitteilenden Gefühles. II. Wesentlich uninteressiert dagegen ist das Lachen der Komik. Es schliefst jeden Gedanken an Verlust oder Gewinn aus und berührt sich dadurch mit dem Spiel, das Kant als eine lediglich um ihrer selbst willen existierende Thätigkeit bezeichnet. Die nach den strengen Gesetzen der Logik fortschreitenden Ge¬ dankenreihen der Mathematik und anderer Wissenschaften geben ebenso¬ wenig Anlafs zum Lachen, wie das gleichmäfsig sich abrollende Alltags-