140 Litteraturberich t. M. W. Calkins. Statistics of dreams. Amer. Journ. of Psych. V. No 3 S. 311-343. (1893.) Das exakter Beobachtung so schwer zugängliche Gebiet der Träume hat die Verfasserin, eine Lehrerin für Psychologie, in Verbindung mit Dr. Saî>tdford zum Gegenstand einer recht dankenswerten Studie gemacht. Die Bedeutung der Arbeit liegt nicht sowohl in der Gewinnung neuer Ergebnisse, als vielmehr in dem Beitrag, den sie zur sicheren Funda¬ mentierung bestehender Ansichten liefert. Sechs bis acht Wochen lang hat die Verfasserin wie ihr Mitarbeiter alle Träume sorglichst notiert und zwar derart, dafs sie, so oft sie nachts aufwachten, was allerdings nur anfangs durch einen Wecker herbeigeführt wurde, sofort den Traum skizzierten und tags darauf aus der Erinnerung ergänzten. Die zahlreichen Tabellen, welche meist mit Geschick angelegt sind, freilich wiederholt die Bückführung auf Prozente vermissen lassen, ergeben zunächst, dafs in die erste Hälfte des Schlafes viel weniger Träume fallen als in die zweite, und dafs sich die sehr beträchtlichen Nachwirkungen des vorausgehenden Wachlebens in einem ähnlichen Verhältnis über die Schlafzeit1 verteilen. Eine weitere Tabelle zeigt, dafs die vier Grade der Lebhaftigkeit der Träume, nach dem Vorgänge Nelsons bestimmt durch die Zahl der Zeilen des möglichst genauen Berichtes, — eine freilich höchst unsichere Methode, die sich einerseits auf den keineswegs durchgängig erwiesenen Parallelismus der Intensität der Empfindung und derjenigen der Erinnerung stützt, andererseits die Differenzen der Zeitdistanz zwischen dem jedesmaligen Träumen und Aufzeichnen zu ignorieren scheint — ziemlich gleichmäfsig vertreten sind bei der Verfasserin, während Dr. Sandfords Träume mit Vorliebe mittlere Grade der Lebhaftigkeit aufwiesen. Doch sind die lebhaften Träume, wie man gewöhnlich glaubt, nicht auf den Morgen beschränkt, wenn¬ gleich sie hier vorwiegen. Die von peripheren Beizen veranlafsten Träume (presentation dreams = Nervenreizträume nach Spitta) sind verhältnis- mäfsig selten und treten meist in den Übergangsstadien zwischen Schlaf und Wachen auf. Die meisten derartigen Einwirkungen werden leicht begreiflich vermittelt durch das Gehör und den Tastsinn. Nebenbei sei bemerkt, dafs wir Deutsche kein „Alpendrücken“ kennen, sondern ein „Alpdrücken“, von „der Alp, Alb“ = Elfe. Weit häufiger sind die lediglich auf Assoziation beruhenden Träume (representation dreams = psychische Träume nach Spitta), und hier spielen, wie schon Bonnet beobachtete und richtig erklärte (vgl. meine Studie über Bonnets Psychologie in den Schrift, d. Ges. f. psych. Forschg. I. S. 608), entsprechend der gröfseren Mannigfaltigkeit der Gesichts- und dann der Gehörsvorstellungen, nicht auffallenderweise, wie die Verfasserin meint, eben diese Vorstellungen die gröfste Bolle. Interessant übrigens ist es, aber leicht begreiflich, dafs die Träume der Verfasserin einen weit gröfseren Prozentsatz an Wortelementen enthielten, als die ihres Mitarbeiters, und dafs ferner die Dame in weitaus mehr Fällen als der Herr (66,4% gegen 45,4% der Wortträume) selbst sprechend aufgetreten ist. Die genaue Erinnerung dagegen an die Worte gelang der Verfasserin nur in 4,5%, dem Mit-