128 Litteraturbericht. das zweite mit 8A" breiten Streifen in '/z“ Abstand vergittert, das dritte durch eine Holztafel und das vierte durch ein Drahtgitter geschlossen war. Von der Decke in Gesichtshöhe aufgehängt, liefs sich das Instrument aus einer Entfernung von 10' geräuschlos in Längs¬ schwingungen versetzen. Die drei Versuchspersonen safsen 2—3" von der Schwingungsbahn und gaben die Antwort durch verabredete Zeichen, um Störungen durch den Mundhauch zu vermeiden. Es wurden immer zwei Fächer im Wechsel zum Bestimmen vorgeführt; dabei ergaben sich, besonders bei Paar 2 und 3 und Paar 3 und 4, auffallend viel Treffer, bei drei Versuchsreihen sogar kein einziger Mifsgriff. Interessant waren die Angaben der Versuchspersonen über ihre Empfindungen. Während alle das geräuschlose Funktionieren des Apparates anerkannten, führten zwei die Unterscheidung auf anderweitige, am Apparate reflektierte Geräusche zurück, zwei glaubten auch Gesichts- <empfindungen zu haben, alle drei nahmen Temperaturunterschiede wahr und hatten ein deutliches Gefühl der Eingeschlossenheit, Beengtheit u. dergl. Um die Temperaturempfindung auszuschliefsen, verhüllte Da. Gesicht, Nacken und Ohr mit einem weichen Tuche, das aber gegenüber dem Ohrgange ein Loch hatte. Die Versuche ergaben keine wesentliche Minderung der Unterscheidungsfähigkeit. Zur Gegenprobe wurden die Ohren verstopft, alles Übrige freigelassen, und jetzt ergab sich eine auffällige Zahl von Mifsgriffen, ein klarer Beweis, dafs für die in Bede stehenden Urteile nur die Schallunterschiede mafsgeb.end sind. Es wäre von grofsem Interesse, diese verdienstvollen Experimente des Verfassers nun auch an Blinden zu wiederholen und zu untersuchen, ob nicht doch auch Temperaturempfindungen mithereinspielen und wie weit. M. Offner (Aschaffenburg). Th. Flournoy. Les phénomènes de synopsie. Paris, Alcan. Genève, Eggimann. 1893. 259 S. Die Arbeit Flournoys behandelt wesentlich die Besultate einer von Claparède im Jahre 1892 durch einen im Anhang mitgeteilten Frage¬ bogen aufgenommenen Statistik und zahlreicher, durch persönliche .Befragung von Flournoy seit 1882 gesammelter Beobachtungen. Flournoy gebraucht für den gesamten Umkreis der Thatsachen, welche man wohl als Doppelempfindungen zusammenfafst, den Ausdruck „Synästhesie“. Diejenige Empfindung oder Vorstellung, welche die sekundäre Mitempfindung gewissermafsen auslöst, nennt er „inducteur“, die ausgelöste sekundäre Empfindung „induit“. Unter „Synopsie“ ver¬ steht er diejenigen „Synästhesien“, deren „induit“ dem Bereiche des Gesichtssinnes angehört. Nach der besonderen Natur des „induit“ teilt er dann die Synopsie weiter ein in Photismen, in welchen Farbe oder Helligkeit, und Schemata, in welchen die Form vorherrscht. Diese Schemata wieder gliedern sich in „Symbole“, welche durch eine einzelne Empfindung oder Vorstellung erzeugt werden, und Diagramme, welche einer ganzen Beihe von Vor¬ stellungen, z. B. der der Monate oder der Zahlen, einen räumlichen Aus¬ druck geben. Endlich fügt er den beiden Hauptklassen als dritte die der