122 Litteraturbericht. und wissen, und infolge dieses unbewufsten Denkens vollzieht sich ein grofser Teil unserer Handlungen gleichfalls ohne Bewufstsein. „Die Worte Aufmerksamkeit, Bewufstsein, Wille gehen nur einen gewissen biologischen Mafsstab für die Stärke und Ordnung der vorausgesetzten Spannungen.“ Das, was wir darunter begreifen, ist von dem Inhalte der Gefühle etc. natürlich gar nicht trennbar. Auch das Bewufstsein ist nur ein „Phänomen“ des Bühlens und Denkens. Es ist nicht Erzeuger und Träger der Ichsynthese, sondern Ausdrucksform derselben. Es ist nur eine Phase des psychischen Lebens und nicht dies Leben selbst. Die Vererbung, die Entwickelung, die Einübung vor allem der Bindenzentren erfährt Berücksichtigung. Das Ichbewufstsein leitet Verfasser aus den peripheren Eindrücken ab, die an die Zentren gelangen, und er kommt zu der Ansicht, dais Menschen denkbar wären, die nur mit einem einzigen Zentrum denkfähig, noch Ichbewufstsein hätten, dafs also eine Synthese der gesamten Denkprozesse hierzu nicht erforderlich sei. In der That gäbe es Menschen genug, bei denen — etwa sehr begabten Malern — die Leistungsfähigkeit eines einzelnen Seelenzentrums so grofs und einseitig ist, dafs daneben die Thätigkeit der übrigen Bindengebiete zu einer Stufe herabsinkt, die, verglichen mit anderen Individuen, aufserordentlich klein erscheint. „Ich Sehmensch“ könnte ein solcher von sich sagen. Die Ichsynthese bildet aber nicht ein allzeit geschlossenes psycho¬ logisches Ganzes, sondern sie besteht aus vielen mosaikartig zusammen¬ gefügten Teilen. Nicht alle können gleichzeitig in den Zustand des Bewufstseins gerufen werden. Arbeiten wir intensiv mit einer Merk¬ provinz, so tritt die Thätigkeit der anderen unter das INiveau des Bewufstseins oder in geringeres Mafs; wir sind in Bezug auf diese zerstreut. Oft tritt gar kein Merksystem in hervorragende Thätigkeit; der Bewufstseinszustand an sich ist dann der Grund der Zerstreutheit. Am Beispiel der Zerstreutheit selbst prüft nun der Verfasser nochmals die aufgestellten Ansichten durch. Diese Prüfung bildet den Hauptteil der kleinen Schrift. Die Präge der Zerstreutheit ist auch gewählt, weil dieses in psychologischer und psychiatrischer Beziehung interessanten Zustandes in den Lehr- und Handbüchern meist nur ganz nebenbei Erwähnung geschieht, gewissermafsen als einer Negation der Auf¬ merksamkeit. Edinger (Prankfurt a. M.). 1. J. Gaule. Der Einflufs des Trigeminus auf die Hornhaut. Centrcilbl. f. Physiol. 1891. Heft 15. 2. J. Gaule. Wie beherrscht der Trigeminus die Ernährung der Horn¬ haut? Ebenda. Heft 16. 3. J. Gaule. Zur Frage der trophischen Funktionen des Trigeminus. Ebenda. 1892. Heft 13. 4. J. Gaule. Spinalganglien der Haut. Ebenda. 1892. Heft 22. 5. J. Gaule. Spinalganglien des Kaninchens. Ebenda. 1892. Heft 11. 6. J. Gaule. Weitere Experimente an den Spinalganglien und hinteren Wurzeln. Ebenda. 1893. Heft 25.