358 5£>ie Æncuïer. 9tccbenoögel. SHa5cn. unerfehlidje Sßohlthäter ber gelber, gerabe oon biefen ©utöbefthern in ber rüdfuhtSfofeften SSeife Oer* folgt. Stau hat in ©ngtanb erfahren, bafj in ©egenben, in welchen mirflich alle Saatfrähen oer* nietet morben maren, jahrelang nad) einanber Stimmten famen, nnbman ift bann fing genug gemefen, bie SBögel gu oerfchonen. Unfere großen ober flehten Säuern freilich miffen baoon StidjtS ober mol* len baoon Stifts miffen unb [teilen ftd; burd) % als geft gefeiertes ®räl)enfc§ie&en alljährlich ein nid)t eben fdjmeichelhafteS Beugnifj iljreS SitbungSgrabeS auS. Sie taffen ftch einfach oom blinben Sorurtheil leiten unb geben fid) nicht einmal bie Stühe, genauer gu prüfen. SßoHten fte OieS t^uu, Sollten fte nur einmal mäljrenb ber Staifäfergeit ober in einem Stäufejahre Saatfrähen fehlen unb jebc berfelben unterfudjen, fo mürben fte fe^r halb 51t ben Slnficpten aller Staturforfcher fommen. $)agu aber fd)eint eben fein Strieb oorhanben gu fein, unb fo mirb bie Sefehbung ber nüblidjen ©e* fc^ö^fe mohl nod) lange ^aljre fortmähren, bis aud) bei unS gu Sanbe einmal ber Sdjaben flug mad)t. 3d) mieberhole, baff eS für Obermann unangenehm ift, in ber Siäl)e einer Saatfrähenanfieblung §u mol)nen. Sßenn bie Srutgeit herannal)t, famnteln ftch Saufenbe biefer fchmargen Sögel auf einem [ehr fleinen Staume, oorgugSmeife in einem gelbgehölge, unb hier beginnt nun ein 2ärm, meldten man felbft gehört haben mufj, um baS Steroenerfchütternbe beffelben mürbigen gu fönnen. $aar mol)nt bei $aar; auf einem Saume ftehen fünfzehn bis gmangig Hefter, überhaupt fo oieï, als er aufnehmen fann. 3ebeS $aar gauft [ich mit bem anbern um bie Sauftoffe, unb eins ftielt bem anbern nicht nur biefe, fonbern fogar baS gauge Seft meg. ©in ununterbrochenes ®räd)gen unb ©e^lärr erfüllt bie@egenb, unb eine fchmarge Sßolfe oon Sögeln Oerfinftert bie Suft in ber Sähe biefer S3oI)nfihe. ©nb* lid; tritt etmaS Stuhe ein. 3ebeS Sßeibchen hat feine oier bis fünf blafgrünen, afchgrau unb bunfel* braun gefledten ©ier gelegt unb brütet. Salb aber entfdjlüpfen bie jungen, unb nun oerboppelt ober oerbreifacht ftch ber Särnt ; benn bie jungen Staben moKen gefüttert fein unb miffen ihre ©efühle fehr oernehmlid; bttreh allerlei unliebfame Söne auSgubrüdcn. Oann ift eg in ber Säl)e einer folgen Slnfieblung buchftäblid) nicht gum SluShalten. Sur bie eigentliche Sad)t macht baS ©eplärr oerftum* men; eg beginnt aber bereits oor SageSanbrud) unb mährt bis lange nach Sonnenuntergang ohne Slufhören fort. Soch fchlimmer geht eS Oem, melier eine folc^e Snfieblung befucht. ©r mirb halb ebenfo befallt, mie ber Soben um ihn her, meld)er_tn golge beS auS ben Heftern hérabfadenben Stift* regenS gräulich angufd)auen ift. Oagu -fommt nun bie. fd)on ermahnte £artnädigfeit ber Sögel. Sie laffett [ich fo leidet nicht oertreiben. Stau fann ihnen ©ier unb Sunge nehmen, fo oiel unter fie fchie&en, als man mid : eS tylft gar SidjtS — fie fommen hoch mieber. Stit Sergnügen erinnere ich mich ber Snftrengung, meld)e ber l)od)mohlmeife Satl) ber lieben Stabt Seipgig machte, um ftd) ber Saatfrähen, meld)e fid) auf einem Spagiergange angefiebelt hatten, gu entlebigen. Buerft mürbe bie bemehrte Stannfdjaft aufgeboten, herauf fogar bie Sd;arffrühen in Semegung gefegt — Nichts mollte fruchten. ®a griff man, mie eS fchien in Sergmeiflung, gu bem testen Stittel: man gog bie blutrothe gähne beS UmfturgeS auf. Suchftäbftch mahr: rothe gähnen flatterten unmittelbar neben unb über ben Seftern luftig im Sßinbe, gum ©rauen unb ©ntfe^en aller friebliebenben Sürger. ülber bie krähen fürchteten nid)t einmal baS ©ef^enft unferer Sunfer unb Pfaffen: fie liefen [ich aud; burch baS oerbächtige fRoth nid)t oertreiben, ©rft als man ihnen ebenfo hartnädig ihre Sefter immer unb immer mieber gerftörte, oerïiefeen fie gur greube aller ©uten ben bereits lieb gemonnenen Ort. (Solche Uebelthatcn ftnb aderbingS nicht geeignet, urtheilSlofe Slenfchen mit ben Saatfrähen gu befreunben; ber forgfältig g5rüfenbe aber mirb fie menigftenS in gelbgehölgen, mefche oon Sßohnungen entfernt finb, gern gemähren taffen. Oie armen Sögel haben ohnehin geinbe genug. Oer gud)3 überliftet gar manche, unb ber äßanb er fall unb Habicht richten oft gro§e Sieberlagen nament* lieh unter ben jungen an. Stud) bie Söinterreife forbert alljährlich »tele Opfer. ©S ift ein mirflidj angieljenbeS Schaufpiet, melcheS bie manbernben Saatfrähen gemähren. So gro^ auch bie Stenge ift, meldje eine Slnfieblung beoötfert — mit ben Staffen, meld^e ftch gelegentlich ber Sßinterreife gufammenfchlagen, fann fte nicht oerglidjen merben. ïaufenbe gefeiten ft<h gu Sau* fenben, unb bie £eere madhfen umfomehr an, je länger bie Steife mährt. Sie oerftärfen ftch nicht bloS