XVIII, Ueber das Gesetz des Muskelstromes, mit besonderer Berück¬ sichtigung des M. gastroknemius vom Frosch.1 (Hierzu Taf. I und H.) Einleitung. §. I. Hr. Budge hat gegen das Gesetz des Muskelstromes einen Angriff gerichtet, der jedoch auf einem Missverständ¬ nis beruht, indem er das Gesetz an einem unregelmässig gestalteten Muskel, dem Gastroknemius des Frosches, bestätigt finden will. Unter demAufsehen erregenden Titel: „Beweis, dass das Dubois- sche Gesetz vom Muskelstrom unhaltbar ist, geführt von Julius Budge, Professor in Greifswald“, hat dieser Physiologe am 1. Juni 1861 in der Deutschen Klinik2 einen Aufsatz veröffentlicht, worin er, durch Versuche am Gastroknemius des Frosches, zu zeigen glaubt, dass das von mir vor zwanzig Jahren aufgestellte Gesetz des Muskelstromes in fast allen Punkten vollkommen falsch sei, und dass ich einen sehr wichtigen, höchst wahrscheinlich den wichtigsten Theil der elektromotorischen Thätigkeit der Muskeln übersehen habe. In der That lässt Hr. Budge von dem Gesetze des Muskelstromes nichts bestehen, als die Positivität des Längsschnittes gegen den künst¬ lichen Querschnitt. Den so erhaltenen Strom will er den künstlichen Muskelstrom genannt wissen. Er [522] leugnet, dass die sehnigen Aus¬ breitungen als natürliche Querschnitte der Muskeln zu betrachten,. und Ms solche negativ gegen den Längsschnitt seien. Die Wirkungen, die man von einem unversehrten Muskel erhält, leitet er von einem Polaren Gegensätze’ seiner beiden Enden ab, vermöge dessen von zwei 1 Aus dem Archiv für Anatomie u. s. w. 1863. S. 521. 2 A. a. 0. No. 22. S. 207—210.