XXVI. Goethe und kein Ende. In der Aula der Berliner Universität am 15. Oktober 1882 gehaltene Rektoratsrede.1 — Und will in Kunst und Wissenschaft Wie immer protestieren. Qnethe. Ich weiß nicht, ist die Bemerkung alt oder ist sie neu — was läßt sich wohl neues noch über Goethe’s Faust sagen — jedenfalls verdient sie einmal bei akade¬ mischer Feierlichkeit gebührend ins Licht gestellt zu werden. Der Held des modernen deutschen National¬ gedichtes ist kein auf der Menschheit Höhen einher¬ schreitender gekrönter Sterblicher, kein erobernder Krieger, kein fahrender Ritter, kein verliebter Aben¬ teurer, kein asketischer Nachtwandler durch Himmel und Hölle. Er ist, nennt er sich auch nur Magister und Doktor, ein Universitätsprofessor, unser Kollege, wenn wir auch über seine Fakultät im Zweifel bleiben. Die Gewalt, mit welcher das Gedicht die Nation weithin ergriff, entsprang, wir sagen es stolz, zu nicht kleinem Teile daher, daß das Universitätsleben einen so bedeuten¬ den Platz im deutschen Leben einnimmt. Die Zustände freilich, in welchen uns Faust vorge¬ führt wird, sind nicht die einer neueren deutschen Uni¬ versität. Nach Oxford, nach Cambridge, wo mittelalter¬ liche Formen noch heute grünen, muß man sich ver¬ setzen, um sich den Professor Heinrich Faust in seiner gothischen Zelle, in Hörweite den durch seine vermeint¬ liche Deklamation angelockten Fellow Wagner leibhaftig