Über die wissenschaftlichen Zustände der Gegenwart. locken: mit tausend bald derben, bald schmeichelnden Händen packt es uns, und statt des Zaubermantels ist uns das Dampfroß genug. Wir haben nur Mühe, diesen Forderungen zu widerstehen; im Strudel, der uns mit sich reißt, unsere Besinnung zu behalten; die uns auf¬ erlegte äußere Arbeit zu verrichten, und doch der inneren Arbeit treu zu bleiben, welche unser eigenster Beruf ist. Wir können nicht mehr, wie Unseresgleichen in früherer Zeit, frei persönlichen Neigungen folgen, nur die Gaben pflegen, die etwa ein Gott uns verlieh. Von Kindheit an gehören wir dem Staat. Jede Ausnahmsstellung schwand. Prüfungen, Kriegsdienst, Bürgerpflichten sind allen gemein; und sogar der Politik sich nicht ganz zu entziehen erscheint als Gebot, mag man auch den un¬ verhältnismäßigen Platz tadeln, den ihre unfruchtbaren Aufregungen, ihre Eintagstriumphe, ihr widriges Partei¬ gezänk im heutigen Kulturleben einnehmen. Und wie wenig erquicklich ist, in mancherlei Hin¬ sichten, dieses Lebens jüngste Gestaltung! Die Hydra krankhaft gereizten Nationalgefühles erhebt rings Haupt um Haupt, und entzweit sogar die bisher als Glieder Einer Gemeinde sich fühlenden Gelehrten verschiedener Länder. Völker, die für ihren Ruhm noch nichts taten, als gelegentlich sich wacker schlagen, machen laut prahlend den Vorrang solchen streitig, die ein Jahr¬ tausend geistigen Schaffens hinter sich haben. Statt dynastischer, drohen ungleich gräßlichere Rassenkriege; kaum daß Religionskriege viel anders als dem Namen nach aufhörten. Wurden nicht die beiden letzten Jahre Zeugen einer Bewegung, deren Schmach wir bei uns für so unmöglich hielten, wie Folter, Hexenprozesse und Menschenhandel? Dabei unterfängt sich sentimentale Ignoranz, deren immerhin wohlmeinendes Treiben sich von verleumderischer Angeberei und sträflichem Hetzen in seiner Wirkung nicht unterscheidet, wissenschaftliche Untersuchungsmethoden als frevelhaft zu brandmarken, welche Robert Hooke im Schoße der alten Royal Society, der gottesfürchtige Haller unbedenklich übten. Aber auch die neuere Entwickelung des wissen¬ schaftlichen Lebens selber läßt wenig ansprechende Züge erkennen. Bis zum Verschwinden selten ward beim nach-