X. Leibnizische Gedanken in der neueren Naturwissenschaft. In der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 7. Juli 1870 gehaltene Rede.1 Scilicet inmenso superest ex nomine multum. Pharsalia. Mit Kant endet die Reihe der Philosophen, die im Vollbesitz der naturwissenschaftlichen Kenntnisse ihrer Zeit sich selber an der Arbeit der Naturforscher be¬ teiligten. Leibniz dagegen steht als mathematischer Phy¬ siker noch so groß da, daß man seine Leistungen in der von uns eigentlich so genannten Philosophie verschweigen oder herabsetzen könnte, ohne daß er aufhörte als einer der gewaltigsten Geister zu erscheinen. Und man würde irren, wollte man die Verbindung der mathematisch-phy¬ sikalischen mit der spekulativ-philosophischen Richtung in Leibniz aus einer polyhistorischen Neigung herleiten, die ihn auch juristischen Erörterungen, diplomatischen Quellenstudien, sprachwissenschaftlichen Forschungen zu¬ trieb. Hätte nur ein äußerliches Band, durch Zufall und Laune geknüpft, diese ungleichartigen Dinge in seinem Kopfe zusammengehalten, dann wäre Leibniz nicht der würdige Heros des Kultus, den ihm mit gleicher In¬ brunst beide Klassen dieser Akademie weihen. Nicht Vielwisser war er, sondern, soweit der Mensch es kann, All- und Ganzwisser, und sein Erfassen, sein Erkennen war stets zugleich schöpferischer Akt. Dem Insekt gleich, das Honig sammelnd den Blütenstaub von Blume zu