281 282 JAHRGANG XXXX. 1890. HEFT TH BIS IX. Neubau des physiologischen Institutes der Universität Marburg. (Mit Zeichnungen auf Blatt 19 bis 23 im Atlas.) (Schluß.) In Bezug auf die Construction des Gebäudes ist zunächst dessen Gründung bemerkenswerth. Durch Bodenuntersuchungen wurde festgestellt, dafs unter der oben aufgefüllten Erdmasse eine durchschnittlich 2,50 m starke Schicht von sehr feinem, lehmigem Sande, und darunter, nahezu wagerecht gelagert, eine Schicht von Gerölle aus groben und kleineren Sandsteinstttcken, in Kies und Sandsteintrümmem gebettet, folgte. Stellenweise verlor sich die zusammenhängende Schicht, und es fanden sich nur gröfsere Steinstücke zwischen der oberen Erdmasse und der unter der ganzen Gerölleschicht sich vorfindenden Triebsand¬ schicht von etwa 2,8 m Mächtigkeit. Erst in 5 m Tiefe unter der jetzigen Kellersohle wurde der aus feinem und grobem Kies bestehende gute Baugrund gefunden. Probebelastungen der auf¬ gefundenen oberen Gerölleschicht ergaben deren Haltbarkeit unter einem Druck von 3,40 kg auf das Quadratcentimeter, doch wa- ren die Proben von nur verhältnifsmäfsig kurzer Dauer und bestand für diese Eälle der günstige Umstand, dafs die untere Triebsandschicht nach keiner Seite hin ausweichen konnte. Nach mehrfachen Erwägungen und vergleichenden Kostenberechnungen wurde bestimmt, dafs, nachdem die Umfassungsmauern des Institusgebäudes bis auf die untere, zweifellos tragfähige Kies¬ schicht hinabgeführt seien, die von denselben alsdann fest ein- gesehlossene Triebsandschicht vermittelst der Vorgefundenen Ge- rölleschicht und einer über die ganze Fläche des Innenraumes ausgebreiteten Kiesschüttung von 1 m Stärke zum Tragen der Innenwände unbedenklich herangezogen werden könne. Bei der Ausführung wurde eine große Erdbewegung erforderlich, denn es mufste die Gerölleschicht über die Fläche des ganzen Insti¬ tutsgebäudes einschL eines Arbeitsraumes von 0,5 m um das Gebäude herum blofsgelegt werden. Dio darauf lagernden Erd¬ massen fanden zur Auffüllung des Grundstückes hinter der chirurgischen Klinik vortheilhaft Verwendung. Von dieser Fläche abwärts wurden die Fundamentgruben der Umfassungsmauern zwischen Spundwänden abtheilungsweise ausgehoben und erfolgte die Gründung innerhalb des Grundwassers durch Betonschüttung, darüber durch gewöhnliches Bruchsteinmauerwerk in hydraulischem Kalkmörtel. Die in der unteren Triebsandschicht vielfach auf¬ tretenden groben Steinblöcke verzögerten das Hinabtreiben der Spundwände, und es war behufs Beseitigung der Steine das Aus¬ pumpen der Fundamentgruben meistens nicht zu umgehen, ob¬ schon beabsichtigt war, den Triebsand im Grundwasser durch Sackbagger zu heben, um den mittleren Erdblock durch Wasser- entziehung nicht in Bewegung zu bringen. Mit dem Fort¬ schreiten der Hochführung der Grundmauern wurde zunächst der zwischen den Spundwänden eingebrachte kräftige Ausbau ent¬ fernt, sodann, nachdem die Spundwände selbst herausgezogen, mit ganz besonderer Sorgfalt für den dichten Anschluß des inneren Erdblockes an die Umfassungsmauern gesorgt. Ebenso wurde die feste Lagerung des Kieses durch schichteweises Einschläm¬ men bei reicher Wasserrieselung und Feststampfen angestrebt Die Grundmauern der Innenwände sitzen 1,20 m unter Keller- Zeitschrift f. Bauwesen. Jahrg. XXXX. (Alle Hechte Vorbehalten.) sohle auf dieser Kiesschüttung auf, ihre Grundflächen sind so angeordnet, daß durchgehende ein gleicher Druck auf die Un¬ terlage erzielt wurde. Die Grundmauern des Treppenhauses mit dem hohen Oberlichtschachte erfuhren daher ^eine wesentliche Verbreiterung gegen die ersten Pläne. Das Wohngebäude konnte, da es bergwärts vom Institutegebäude gelegen ist, mit genügender Sicherheit auf der oberen Gerölleschicht, die, ohne sie durch Angraben zu schwächen, in- ihrer ganzen Stärke benutzt wurde, gegründet werden. Gegen das Aufsteigen der Grundfeuchtigkeit wurde in Höhe der Kellersohle eine 1 cm starke Asphaltisolirschicht auf die Mauern gelegt und die zu verschüttenden Theile der äußeren Kellerwände wurden nach deren vollständigem Trockenen mit einem zweimaligen Asphaltgoudron-Anstrich verwahrt. Durch Vor¬ blendung in Backstein haben die Innenflächen der Kelleraufsen- mauem eine 6 cm breite Luftisolirschicht erhalten, deren in bestimmten Schichten und Abständen angeordnete Binder in Asphaltgoudron getaucht sind. Im übrigen bestehen die Außen¬ mauern aus Bruchsteinmauerwerk mit Verblendung aus großen und tief einbindenden Sandsteinwerkstücken, deren hintere Flächen unbearbeitet blieben. Alle Innenmauem sind in Backstein aus¬ geführt Zur Sicherung der Fußbodendielung auf Eichenholz¬ lagern wurden letztere auf zwei Backsteinschichten hohen, oben asphaltirten Pfeilern angeordnet und die ganzen Flächen darunter zuvor mit einer 5 cm starken Betonschüttung und Ziegelflach¬ schicht in verlängertem Cementmörtel versehen. Zur Lüftung des unter der Dielung befindlichen Luftraumes dienen Canäle in den Seitenwänden, die, über dem Fufssockel mit Drahtver¬ gitterung versehen, sich nach dem Zimmer öffnen (Abb. 7). Die Abb. 7. Lüftung des Luftraumes unter der Dielung. Ansaugung des Zimmerofens, welcher durch Klappenstellung im Sockel gezwungen werden kann, seine zum Brennen nöthige Luft aus dem Baume unter der Dielung zu entnehmen, bewirkt das Ausschöpfen der dort befindlichen Luft und das Nachströmen der Zimmerluft durch die vergitterten OefEnungen in den Seiten¬ wänden, wodurch außerdem eine wohlthuende Erwärmung des Fußbodens erzielt wird. Die Oefen stehen dabei auf Sandstein¬ platten, und die Luftzuführung in den Sockel erfolgt hinten 19