118 Zum 50jährigen Jubiläum der Bayer. Landessaatzuchtanstalt Weihenstephan Da im Gegensatz zu den ostdeutschen Erzeugergebieten in allen westdeut¬ schen Bundesländern je nach den Bedingungen der einzelnen Jahre mit wechselnd starken, oft ganz erheblichen Neuinfektionen gerechnet werden muß, deren Auswirkung mit der üblichen Feldanerkennung bei Kartoffeln nicht erfaßbar ist, hat es sich die Landessaatzuchtanstalt seit dem Jahre 1948 zu einer Hauptaufgabe gestellt, die Methode der „Augenstecklingsprüfung“ auszuarbeiten und für die große Praxis des Saatkartoffelbaues dienlich zu machen. Mit Unterstützung des Bayerischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten war die Anstalt in der Lage, bis zum Jahre 1952 sechs neue, große Gewächshäuser und entsprechende Arbeitsräume zu erstellen, in denen die Augenstecklingsprüfung in großem Maßstabe durchgeführt wird. Mehrjährige Vorarbeiten durch Reg.- Rat Dr. Arenz haben in Vergleichsversuchen Gewächshaus/Feldanbau mit über 100 000 Einzelknollen und mit ausgedehntem Material aus der Praxis den Beweis liefern können, daß diese Methode weitgehend einwandfreie Ergebnisse zu liefern vermag. Daraufhin wurden bereits im Jahre 1950 sämtliche in Bayern angebauten Oberstufen einschließlich Hochzuchten, insgesamt 1268 Bestände und im Jahre 1951 insgesamt 1439 (mit Einschluß von Nachbauproben aus Katastrophengebieten über 2000) Bestände, durchgeprüft. Das Ergebnis zeigt sich in einer ganz wesent¬ lichen Hebung der gesundheitlichen Qualität bei den bayerischen Pflanzkartoffel¬ lieferungen und da alle kranken Bestände rechtzeitig aus dem Saatkartoffelsektor ausgeschieden werden können, in einem erhöhten Vertrauen aller Bezieher zu dem bayerischen Hochzuchtpflanzgut. Vor allem für die Rückeroberung des Kar¬ toffelexportes hauptsächlich in die südlichen Nachbarländer bedeuten diese um¬ fangreichen Arbeiten der Landessaatzuchtanstalt einen wesentlichen Auftrieb. So sind vom Beginn der Landessaatzuchtanstalt im Jahre 1902 an in der Kar¬ toffelabteilung die Arbeiten Züchtung und Ausbau saatbautechnischer Ma߬ nahmen ständig Hand in Hand gegangen. Dadurch wurde gewährleistet, daß nicht nur Neuzuchten mit den wertvollsten Ertrags-, Qualitäts- und Resistenzeigen¬ schaften der Landwirtschaft übergeben werden konnten, sondern daß sie ihr durch gleichzeitige Erforschung der günstigsten Anbaumöglichkeiten auch wirk¬ lich dienbar wurden. Die Entwicklung der chemischen Laboratorien an der Bayerischen Landessaatzuchtanstalt in den Jahren 1902-1952. Die Laboratorien gliedern sich heute in zwei Arbeitsbereiche: I. das allgemeine Chemische Laboratorium II. das Laboratorium für Mehlchemie und Mehlphysik, einschließlichderVersuchsmüllereiund-bäckerei. Zu I.: Die Entwicklung und Funktion des allgemein-chemi¬ schen Laboratoriums: Bis zum Jahre 1923 war nur ein kleines Laboratorium vorhanden, in welchem lediglich Stickstoff- und Zuckerbestimmungen ausgeführt wurden. Eine wesent¬ liche Aufwärtsentwicklung erfuhr das Chemische Laboratorium durch die von