15. April 1913. MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT. 819 Eine stählerne Sprungfeder sorgt dafür, dass mit dem Zurückdrehen der Regulierschraube der das Leder haltende kleine Teller sich prompt von dem Rohrstutzen abhebt. Auslass und Ventil sind zu einem Stück verbunden. Dies Stück wird am einen Ende des Qummi- ballons angesteckt; am anderen, freien Ende des Ballons befindet sich ein Ventil der gewöhnlichen primitiven Konstruktion. Es gibt nun aber Fälle, in denen die bequeme Mitführbar- keit gar keine Rolle spielt, weil der Apparat ein für allemal im ärztlichen Untersuchungszimmer stehen bleibt. Dann kann man auf einem ganz anderen Wege zum Ziele gelangen. In einen Windkessel wird Luft eingepumpt und bei der Messung wird mittels eines Regulierhahnes aus diesem Vor¬ rat die nötige Menge Druckluft in die Manschette hinüber¬ gelassen. Ein zweiter unmittelbar neben dem ersten an¬ gebrachter Regulierhahn gestattet, die Luft aus der Man¬ schette ins Freie abzulassen. Die Hähne sind so gebaut, dass sie die Schnelligkeit des Luftwechsels und damit die Schnellig¬ keit der Druckänderung aufs feinste zu regulieren erlauben. Diese Arbeitsweise ist wohl die allerbequemste und einfachste, dabei der Apparat solid und dauerhaft. Letzteres allerdings nur, falls die Hähne vorsichtig gehandhabt werden, da sonst Gefahr besteht, dass Tonometer und Manschette unversehens dem vollen Druck des Windkessels ausgesetzt und dadurch beschädigt werden. Die Konstruktion der Hähne beruht auf demselben Prinzip wie die des oben beschriebenen Aus¬ lasses. So haben wir nun drei empfehlenswerte Vorrichtungen zur Druckerzeugung: den besonders bequem mitführbaren Gummiballon, den nicht mitführbaren, aber besonders bequem zu handhabenden und sehr dauerhaften, freilich auch besondere Vorsicht bei der Handhabung erfordernden Windkessel, und endlich zwischen beiden stehend, beider Vorzüge bis zu einem gewissen Grad vereinigend und nur zur Erlernung ein wenig mehr Zeit beanspruchend, die Pumpe. 2. Als Inst r umente zur Druckmess u n g kon¬ kurrieren miteinander das Quecksilbermanometer und das elastische Manometer oder „Tonometer“. Das Queck¬ silbermanometer hat den Vorzug, dass es wenig kostet und, einmal richtig geeicht (hier fehlt es freilich öfters!), ein für allemal richtig zeigt. Seine Nachteile sind, dass die Queck¬ silbersäule wenig bequem zu transportieren und abzulesen ist, vor allem aber, dass sie vermöge ihrer Trägheit den raschen pulsatorischen Druckschwankungen in der Manschette nicht zu folgen vermag. Daher ist das Quecksilbermanometer im allgemeinen weder für die oszillatorische Messung noch für das Studium der Pulsungleichmässigkeiten brauchbar. Hier hilft uns das Tonometer, d. h. das mit einer ela¬ stischen Metallkapsel als druckaufnehmendem Organ arbei¬ tende Manometer. Derartige Instrumente sind schon länger im Gebrauch, nur waren sie meist recht wenig zuverlässig, ihre Angaben ungenau und schwankend. Dagegen hat das- vor 8 Jahren von mir in Zusammenarbeit mit der Firma J. & A. B o s c h nach neuen Prinzipien und dabei höchst ein¬ fach konstruierte Tonometer sich als sehr exakt und konstant erwiesen. Die Fehler des Instrumentes sind so gering, dass sie für ärztliche Zwecke völlig ausser Betracht bleiben. Da das Instrument jedoch ziemlich gross und schwer ist, er¬ strebten wir eine Verkleinerung und zwar haben wir gleich zwei neue Modelle ausgearbeitet: das „kleine Modell“ hat einen Durchmesser von 7X> cm bei 4/4 cm Höhe und 220 g Gewicht, das „mittlere Modell“, 10% cm Durchmesser und 3% cm Höhe bei 370 g Gewicht, während diese Masse bei dem alten „grossen Modell“ 15/4 cm, 6 cm und 1450 g betragen. Der Preis der beiden neuen Modelle ist etwa ein Drittel niedriger als der des alten Instrumentes. Einige kleine Nachteile mussten dem kleinen Format zu¬ liebe freilich in den Kauf genommen werden. Die Skala des mittleren und besonders des kleinen Modells ist nicht ganz so bequem abzulesen wie die des alten grossen Instrumentes, die Konstruktion ist ein wenig komplizierter, die einzelnen Kon¬ struktionsteile sind nicht ohne weiteres übersehbar und zugänglich. Mail darf erwarten, dass die neuen Modelle an Zuver¬ lässigkeit und Haltbarkeit dem alten, das sich in nunmehr 8 jähriger Probezeit aufs beste bewährt hat, nicht wesentlich nachstehen werden. Sind sie doch auf den gleichen mecha¬ nischen Prinzipien aufgebaut und unter Benutzung aller bei dem alten Instrument gemachten Erfahrungen durchgearbeitet worden. Trotzdem empfiehlt es sich wohl, sie zumal anfangs gelegentlich durch Vergleich mit einem genau geeichten Quecksilbermanometer zu prüfen. Die Firma J. & A. B o s c h ist für diese Prüfungen eigens eingerichtet. Jedem Instrument wird beim Verkauf von der Firma ein Prüfungsbericht bei¬ gegeben und ebenso wird über eine etwaige Nachprüfung ein Protokoll ausgestellt. Der Käufer wolle darauf achten, dass er mit jedem Instrument den zugehörigen Prüfungsbericht dieser Firma mitgeliefert bekommt. Alle unsere Messapparate zeigen den Druck in Zentimeter Wasser oder, was das gleiche ist, in Gramm pro Quadratzenti¬ meter oder in Vmoo Atmosphäre an. anstatt, wie früher meist üblich, in Millimeter Quecksilber. Ich habe die Gründe hier¬ für a. a. O. ausführlich auseinandergesetzt und wiederhole hier nur meine Bitte, es möchten alle Beteiligten, soweit sie es nicht schon getan haben, diese einzig rationelle MasSeinheit, der die Zukunft gehört, baldigst adoptieren. 3. Als Manschette benütze ich in allen Fällen ein und dasselbe Modell, das auf Grund theoretischer Ueberlegungen und vielfacher Versuche als richtig und zweckmässig erkannt wurde (vgl. darüber Archiv f. exp. Pathol, u. Pharmakol., 55, 1906. S. 395 ff. und ferner J. Rieh. Ewald, Berliner klin. Wochenschr. 1910, No. 38, S. 1733). 4. Auf Grund vorstehender Ueberlegungen würde ich nun¬ mehr bei Auswahl eines Blutdruckmess a ppa- I rates für ärztliche Zwecke folgendermassen verfahren: Handelt es sieh um einen stabilen Apparat, der den höchsten j Anforderungen genügen soll und sind die Geldmittel nicht ; beschränkt, so wähle man den Windkessel nebst grossem oder mittlerem Tonometer. Soll bei sonst gleichen Leistungen der Apparat gelegentlich auf ärztlichen Hausbesuchen mit¬ geführt werden können, so ersetze man den Kessel durch unsere alte Pumpe. Kommt es aber wesentlich auf leichte i Transportierbarkeit an, indem der Apparat den Arzt regel¬ mässig bei seinen Ausgängen begleiten soll, so wähle man das Gebläse und dazu das mittlere oder kleine Tonometer ■— j letzteres, falls man den Apparat in die Rocktasche stecken i will, also ausser auf geringes Gewicht auch auf kleinstes For¬ mat Wert legt. Diese letzteren Kombinationen sind zugleich wesentlich billiger als die ersterwähnten; sie stehen ihnen in der Leistung wenig nach. Ist endlich Billigkeit in erster Linie gefordert, dann muss man sich mit einem Quecksilbermanometer begnügen, muss dann freilich auf oszillatorische Messung und auf Syphgmo- skopie verzichten. Es bleibt dann nur noch die palpatorische Messung des" systolischen Druckes, welche aber zur Fest¬ stellung erheblicher Hypertonien — und das ist einstweilen die diagnostisch wichtigste Aufgabe der ärztlichen Blutdruck¬ messung — genügt. Im übrigen kann man in vielen Fällen den diastolischen Druck auch mit dem Quecksilbermanometer messen nach der von Ehret angegebenen Methode der Kubitalispalpation oder nach der auskultatorischen Methode Ko rotkows. Jedoch sind diese Methoden schwieriger und weniger sicher als die oszillatorische Messung. Je nachdem, ob man das Quecksilbermanometer nur im Hause benützt, oder aber bei der Praxis nach Auswärts mitzunehmen beabsichtigt, wählt man ein Instrument mit einfachem offenen Steigrohr oder ein solches, in welchem sich die Quecksilbersäule mittels Hähnen abschliessen lässt (Modell der Firma Streisguth, Apparat von Sahli). Stets aber verlange man eine Skala mit Druckangabe in Zentimeter Wasser. Zur Druckerzeugung benützt man den Gummiballon, welchen ich aber trotz der kleinen Mehrkosten, stets mit dem neuen Ventil- und Auslass¬ stück versehen würde. Wir gehen nun dazu über, die neuen Instrumente und Instrumentenkombinationen genauer zu beschreiben. (Schluss folgt.) 4: